
Es war an einem verregneten Sonntagmorgen im März, als meine Frau mit leuchtenden Augen vom Laptop aufschaute und sagte: „Schatz, was hältst du davon, wenn wir für ein Jahr nach Neuseeland gehen?" Ich verschluckte mich fast an meinem Kaffee. Ein Jahr Auszeit, ein Sabbatical am anderen Ende der Welt – der Traum, über den wir schon so oft am Küchentisch philosophiert hatten, schien plötzlich greifbar. Ihre Firma bot ihr die Möglichkeit, remote zu arbeiten, und ich könnte meine Freelancer-Tätigkeit von überall ausüben. Was wir in unserer Euphorie völlig unterschätzten, war das Thema Versicherungen bei einem Auslandsaufenthalt über sechs Monate. Diese Nachlässigkeit hätte uns fast teuer zu stehen kommen können.
Die ersten Wochen der Planung waren wie ein Rausch der Vorfreude. Wir recherchierten Unterkünfte in Auckland, planten Wandertouren durch die Südinsel und stellten uns vor, wie wir Weihnachten am Strand verbringen würden. Die praktischen Dinge schoben wir erst mal zur Seite – Visa beantragen, Wohnung untervermieten, und irgendwo auf der To-do-Liste stand auch „Versicherungen checken". Erst als meine Schwester, die selbst mal zwei Jahre in Kanada gelebt hatte, uns fragte: „Habt ihr eigentlich schon geklärt, was mit euren Versicherungen passiert?", wurden wir stutzig. „Wieso, die laufen doch einfach weiter", antwortete ich naiv. Ihr Lachen war Warnung genug. „Oh, ihr Lieben, da habt ihr aber einiges zu lernen", sagte sie und begann uns von ihren eigenen Versicherungspannen zu erzählen.
Der erste Schock kam, als wir unsere Krankenversicherung unter die Lupe nahmen. Ich bin gesetzlich versichert, meine Frau privat, und wir dachten beide, wir wären automatisch auch im Ausland abgesichert. Die Ernüchterung folgte prompt: Meine gesetzliche Krankenversicherung würde in Neuseeland gar nicht greifen, da es kein Sozialversicherungsabkommen gibt. Selbst wenn es eines gäbe, würde ich nach sechs Monaten als „ausgewandert" gelten und meinen Versicherungsschutz verlieren. Die europäische Krankenversicherungskarte, auf die ich so stolz war, nützt außerhalb der EU herzlich wenig. Bei meiner Frau sah es zunächst besser aus – ihre private Krankenversicherung hatte eine weltweite Deckung. Aber auch hier der Haken: nur für „vorübergehende Auslandsaufenthalte bis zu sechs Monaten". Alles darüber hinaus musste extra beantragt und genehmigt werden, und die Kosten würden sich fast verdoppeln.
Nach endlosen Telefonaten mit der Krankenversicherung meiner Frau stellte sich heraus, dass sie für einen einjährigen Auslandsaufenthalt einen speziellen Tarif anbieten konnten – für schlappe 450 Euro zusätzlich pro Monat. Das wären 5.400 Euro extra nur für sie. Für mich als gesetzlich Versicherten war die Situation noch komplizierter. Ich hatte drei Optionen: eine Anwartschaftsversicherung abschließen, um nach der Rückkehr nahtlos wieder versichert zu sein, plus eine separate Auslandskrankenversicherung für die Zeit in Neuseeland; mich freiwillig weiter gesetzlich versichern, was aber keinen Auslandsschutz bietet, plus Zusatzversicherung; oder komplett aus der gesetzlichen Versicherung aussteigen und eine internationale Krankenversicherung abschließen. Die Kosten für alle Varianten bewegten sich zwischen 300 und 600 Euro monatlich. Plötzlich wurde unser Traumjahr um etwa 10.000 Euro teurer, nur für die Krankenversicherung.
Die nächste Überraschung erwartete uns bei der Haftpflichtversicherung. Wir hatten eine gute Police mit weltweiter Deckung, aber wieder nur für „vorübergehende Auslandsaufenthalte". Die Definition von „vorübergehend" variiert je nach Versicherer, aber meist sind es maximal zwölf Monate. Unser Versicherer definierte es sogar nur mit sechs Monaten. Nach einem längeren Gespräch mit unserem Berater erfuhren wir, dass die Versicherung komplett erlöschen würde, wenn wir unseren Wohnsitz offiziell nach Neuseeland verlegen. Behalten wir unseren deutschen Wohnsitz bei – was durch die Untervermietung möglich wäre – könnten wir eine Zusatzklausel für 20 Euro monatlich bekommen. Das klang erst mal verkraftbar, aber der Teufel steckte im Detail: Die Deckungssumme würde sich von 50 Millionen auf 5 Millionen Euro reduzieren, und bestimmte Risiken wie Schäden an gemieteten Sachen wären ausgeschlossen.
Bei der Hausratversicherung wurde es noch verwirrender. Unsere Police deckte auch die sogenannte Außenversicherung ab – also unsere Sachen, wenn wir auf Reisen sind. Aber auch hier galt: maximal sechs Monate und nur für „Reisegepäck", nicht für einen kompletten Hausstand im Ausland. Da wir unsere Wohnung möbliert untervermieten wollten, würden die meisten unserer Sachen in Deutschland bleiben. Aber Laptop, Kameras, etwas Kleidung und persönliche Gegenstände würden wir mitnehmen. Der Wert summierte sich schnell auf etwa 8.000 Euro. Diese wären nach sechs Monaten nicht mehr versichert. Die Lösung: entweder die deutsche Hausratversicherung beibehalten für die Sachen in der Wohnung und eine zusätzliche Versicherung für unser Hab und Gut in Neuseeland abschließen, oder alles kündigen und dort neu versichern. Kompliziert wurde es dadurch, dass neuseeländische Versicherungen oft andere Standards haben und nicht alles abdecken, was wir gewohnt waren.
Ein Lichtblick war zunächst unsere Berufsunfähigkeitsversicherung. Die meisten BU-Versicherungen gelten weltweit, solange man seinen Beruf weiter ausübt. Aber auch hier gab es einen Haken: Wir mussten den Auslandsaufenthalt melden, und je nach Land könnte sich die Risikoeinstufung ändern. Bei manchen Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung oder hoher Kriminalität könnte sogar eine Kündigung durch den Versicherer drohen. Neuseeland war zum Glück unkritisch, aber wir mussten trotzdem ein Formular ausfüllen und bestätigen, dass wir weiterhin in unseren Berufen tätig sein würden. Hätten wir vor, in Neuseeland einen Schaffarmbetrieb zu eröffnen oder als Bungeejumping-Instruktoren zu arbeiten, sähe die Sache anders aus.
Die Recherche zu Reiseversicherungen brachte weitere Erkenntnisse. Wir hatten eine Jahres-Reisekrankenversicherung für 35 Euro, die wir immer für unsere Urlaube nutzten. Die Bedingungen waren eindeutig: Sie gilt nur für „Urlaubsreisen bis zu 56 Tagen". Ein einjähriger Aufenthalt ist definitiv kein Urlaub im versicherungstechnischen Sinne, auch wenn es sich für uns wie der Urlaub unseres Lebens anfühlte. Wir brauchten eine spezielle Expat-Krankenversicherung oder eine Langzeit-Auslandsversicherung. Die Preise dafür waren astronomisch im Vergleich: zwischen 150 und 300 Euro pro Person und Monat, je nach Leistungsumfang. Und das Kleingedruckte war voller Ausschlüsse: Vorerkrankungen oft nicht gedeckt, Selbstbehalte von mehreren hundert Euro, Wartezeiten für bestimmte Leistungen.
Nach wochenlanger Recherche und unzähligen Vergleichen entschieden wir uns für einen Mix aus verschiedenen Lösungen. Für die Krankenversicherung wählten wir eine spezialisierte Expat-Versicherung eines deutschen Anbieters, die auf Langzeitauslandsaufenthalte spezialisiert ist. Der Vorteil: Sie kannten sich mit den Besonderheiten aus und boten einen deutschsprachigen Service. Der Nachteil: Mit 280 Euro pro Person und Monat war sie nicht billig. Dafür bekamen wir aber eine umfassende Absicherung inklusive Krankenrücktransport, der allein schon aus Neuseeland zehntausende Euro kosten kann. Für meine gesetzliche Krankenversicherung schloss ich eine Anwartschaftsversicherung ab, damit ich nach der Rückkehr problemlos wieder aufgenommen werde. Das kostete 50 Euro monatlich – Geld, für das ich keine Leistung bekam, das aber meine Rückkehr absicherte.
Ein entscheidender Punkt, den wir fast übersehen hätten, war die Meldepflicht bei den Versicherungen. Fast alle Policen verlangen, dass man einen längeren Auslandsaufenthalt meldet. Verschweigt man das und es kommt zum Schadensfall, kann die Versicherung die Leistung verweigern – selbst wenn der Schaden in Deutschland passiert. Eine Bekannte hatte das schmerzlich erfahren müssen: Sie war für acht Monate in Australien, hatte es ihrer Hausratversicherung nicht gemeldet, und als in ihrer deutschen Wohnung eingebrochen wurde, verweigerte die Versicherung die Zahlung. Die Begründung: Verletzung der Anzeigepflicht und die Wohnung galt als „nicht bewohnt" und damit erhöhtes Risiko. Sie blieb auf einem Schaden von 15.000 Euro sitzen.
Die bürokratischen Hürden waren ebenfalls nicht zu unterschätzen. Für die Anwartschaftsversicherung brauchte ich eine Bescheinigung meiner Krankenkasse, für die Expat-Versicherung mussten wir Gesundheitsfragen beantworten und teilweise ärztliche Atteste einreichen. Die internationale Haftpflichtversicherung verlangte eine Kopie unserer Visa und eine Bestätigung unserer Arbeitgeber über die Art unserer Tätigkeit im Ausland. Für die Hausratversicherung mussten wir eine detaillierte Liste aller Gegenstände erstellen, die wir mitnehmen würden, inklusive Kaufbelegen oder Wertschätzungen. Das alles kostete Zeit und Nerven, und wir fragten uns mehr als einmal, ob das Jahr Auszeit den ganzen Aufwand wert sei.
Besonders kompliziert wurde es bei der Frage der Steuern und Sozialversicherungen. Deutschland hat mit Neuseeland ein Doppelbesteuerungsabkommen, aber die Details sind komplex. Wenn wir länger als 183 Tage in Neuseeland sind, werden wir dort steuerpflichtig, behalten aber möglicherweise auch Steuerpflichten in Deutschland. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Sozialversicherung. Meine Frau, die weiter für ihre deutsche Firma arbeiten würde, brauchte eine A1-Bescheinigung, die bestätigt, dass sie weiter in Deutschland sozialversichert bleibt. Ich als Freelancer musste klären, ob ich weiter in die deutsche Rentenversicherung einzahle oder mich befreien lasse. Jede Entscheidung hatte Vor- und Nachteile und langfristige Konsequenzen.
Ein Aspekt, der uns überraschte, war die Notwendigkeit einer Berufshaftpflichtversicherung für meine Freelancer-Tätigkeit. In Deutschland war ich über meine normale Haftpflicht für kleinere berufliche Tätigkeiten mitversichert. International sah das anders aus. Wenn ich für neuseeländische Kunden arbeiten würde, bräuchte ich möglicherweise eine separate Berufshaftpflicht nach neuseeländischem Recht. Die deutschen Versicherer konnten das nicht abdecken, und die neuseeländischen Anbieter versicherten ungern jemanden ohne permanenten Wohnsitz dort. Am Ende fand ich eine internationale Berufshaftpflichtversicherung bei einem britischen Anbieter für 85 Euro monatlich.
Die Autoversicherung war ein weiteres Thema, mit dem wir uns auseinandersetzen mussten. In Deutschland würden wir kein Auto haben, aber in Neuseeland wollten wir uns nach einiger Zeit ein gebrauchtes Auto kaufen oder leasen. Deutsche Versicherungen versichern keine Autos im Ausland, also mussten wir vor Ort eine Versicherung abschließen. Das Problem: Ohne neuseeländische Fahrhistorie würden wir als Hochrisiko eingestuft und müssten horrende Prämien zahlen. Ein deutscher Bekannter, der schon länger in Auckland lebte, gab uns den Tipp, eine internationale Bescheinigung über unsere Schadenfreiheitsklasse von unserer deutschen Versicherung zu besorgen. Manche neuseeländischen Versicherer akzeptieren das und geben Rabatte.
Nach drei Monaten Vorbereitung hatten wir endlich alle Versicherungsfragen geklärt. Die Zusatzkosten summierten sich auf etwa 800 Euro monatlich – fast 10.000 Euro für das ganze Jahr, nur für Versicherungen. Das war ein erheblicher Posten in unserem Budget, den wir ursprünglich nicht eingeplant hatten. Wir mussten unsere Reisepläne anpassen und auf einige geplante Ausflüge verzichten. Aber die Alternative – ohne ausreichenden Versicherungsschutz zu gehen – kam für uns nicht in Frage. Ein medizinischer Notfall in Neuseeland ohne Versicherung könnte uns finanziell ruinieren. Eine Freundin hatte mal einen Blinddarmdurchbruch in den USA und bekam eine Rechnung über 45.000 Dollar. Ohne ihre Auslandskrankenversicherung wäre sie heute noch am Abbezahlen.
Die Kommunikation mit den Versicherungen aus Neuseeland heraus stellte sich als weitere Herausforderung dar. Die Zeitverschiebung von 12 Stunden bedeutete, dass wir entweder sehr früh morgens oder spät abends telefonieren mussten. E-Mails wurden oft erst nach Tagen beantwortet, und bei dringenden Fragen war das frustrierend. Wir richteten deshalb Vollmachten für unsere Eltern ein, damit sie in Deutschland für uns tätig werden konnten. Außerdem digitalisierten wir alle wichtigen Unterlagen und speicherten sie in einer Cloud, damit wir von überall darauf zugreifen konnten. Die Originale deponierten wir in einem Bankschließfach.
Ein unerwartetes Problem tauchte auf, als wir unsere Wohnung untervermieten wollten. Unsere Hausratversicherung deckte zwar unsere eigenen Sachen ab, aber was war mit Schäden, die unsere Untermieter verursachen könnten? Und was, wenn unsere Sachen beschädigt werden? Nach Rücksprache mit der Versicherung stellte sich heraus, dass wir eine spezielle Vermieterhaftpflicht bräuchten. Die normale Haftpflicht deckt keine Vermietungsrisiken ab. Also noch eine Versicherung mehr, weitere 25 Euro monatlich. Außerdem mussten wir im Untermietvertrag genau regeln, wer für welche Schäden aufkommt und verlangten von unseren Untermietern den Nachweis einer eigenen Haftpflichtversicherung.
Die Erfahrung in Neuseeland selbst zeigte uns dann, wie wichtig unsere Vorsorge war. Schon in der dritten Woche stolperte meine Frau beim Wandern und verstauchte sich den Knöchel. Der Besuch in der Notaufnahme, Röntgen und Behandlung hätten ohne Versicherung 800 neuseeländische Dollar gekostet. Mit unserer Expat-Versicherung zahlten wir nur die vereinbarte Selbstbeteiligung von 100 Euro. Einen Monat später wurde bei mir eine Zahnentzündung akut, und ich brauchte eine Wurzelbehandlung. Kosten: 2.500 NZD. Die Versicherung übernahm alles bis auf die Selbstbeteiligung. Allein diese zwei Vorfälle hätten fast die Jahresprämie der Krankenversicherung aufgewogen.
Nach sechs Monaten in Neuseeland mussten wir einige Versicherungen anpassen. Die Außenversicherung unserer Hausratversicherung lief aus, und wir mussten entscheiden, ob wir eine lokale Contents Insurance abschließen. Da wir nur wenige Wertsachen dabei hatten und diese meist mit uns trugen, verzichteten wir darauf und trugen das Risiko selbst. Bei der Krankenversicherung mussten wir nachweisen, dass wir weiterhin nur vorübergehend im Ausland waren und keine dauerhafte Einwanderung planten. Das war wichtig, denn als Einwanderer hätten wir nach einer gewissen Zeit Anspruch auf das neuseeländische Gesundheitssystem, müssten aber auch dort Steuern und Abgaben zahlen.
Oft wurden wir gefragt, ob sich der ganze Aufwand gelohnt hat, und ob wir es wieder so machen würden. Die ehrliche Antwort ist zweigeteilt. Ja, der bürokratische und finanzielle Aufwand war enorm und hat uns einige graue Haare gekostet. Aber die Absicherung hat uns die Freiheit gegeben, unser Auslandsjahr wirklich zu genießen. Wir mussten uns keine Sorgen machen, was passiert, wenn etwas schiefgeht. Freunde von uns, die ohne ausreichende Versicherung nach Thailand gegangen waren, mussten nach vier Monaten abbrechen und zurückkehren, als er einen Motorradunfall hatte und die Behandlungskosten explodierten. Das wollten wir unbedingt vermeiden.
Eine typische Frage war auch, ob man nicht einfach darauf pokern könnte, dass schon nichts passiert. Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass man die Versicherung braucht, vielleicht nicht so hoch. Aber wenn etwas passiert, können die Kosten existenzbedrohend sein. Ein Bekannter, der ohne Versicherung in Südamerika unterwegs war, erkrankte an Dengue-Fieber und lag zwei Wochen im Krankenhaus. Die Rechnung: 25.000 Euro. Er zahlt heute noch ab. Ein anderer Fall: Eine Familie, die für ein Jahr nach Kanada ging, hatte ihre Haftpflichtversicherung nicht angepasst. Ihr Kind verursachte beim Skifahren einen Unfall, bei dem ein anderer Skifahrer schwer verletzt wurde. Die Schadensersatzforderung belief sich auf über 300.000 kanadische Dollar. Ohne Versicherung wären sie ruiniert gewesen.
Wir haben uns selbst lange gefragt, warum die Versicherungen bei Auslandsaufenthalten über sechs Monate so restriktiv sind. Ein Versicherungsexperte erklärte uns die Hintergründe: Bei kurzen Aufenthalten ist das Risiko kalkulierbar, bei längeren nicht mehr. Die Lebensumstände ändern sich, die medizinischen Standards sind anders, die Rechtssysteme variieren. In manchen Ländern sind die Schadensersatzforderungen viel höher als in Deutschland, in anderen gibt es kaum Rechtssicherheit. Außerdem verliert die Versicherung die Kontrolle – sie kann nicht prüfen, ob die Angaben stimmen, ob sich das Risiko verändert hat. Deshalb die strengen Regeln und höheren Prämien.
Viele Leute fragten uns auch nach Alternativen zu deutschen Versicherungen. Tatsächlich gibt es internationale Anbieter, die sich auf Expats und digitale Nomaden spezialisiert haben. Diese sind oft flexibler und günstiger als deutsche Versicherungen mit Auslandserweiterung. Der Nachteil: Der Service ist meist nur auf Englisch, die Rechtssicherheit kann geringer sein, und im Streitfall muss man möglicherweise vor ausländischen Gerichten klagen. Wir haben uns für einen deutschen Anbieter entschieden, weil uns die Rechtssicherheit und der deutschsprachige Service wichtig waren. Aber für Leute, die dauerhaft im Ausland leben wollen, können internationale Versicherungen eine gute Alternative sein.
Eine weitere häufige Frage betraf die Rückkehr nach Deutschland. Was passiert mit all den Versicherungen, wenn man zurückkommt? Bei der Krankenversicherung war es dank der Anwartschaft kein Problem – wir wurden nahtlos wieder aufgenommen. Die Expat-Versicherung konnten wir zum Rückreisedatum kündigen. Bei der Haftpflicht und Hausrat mussten wir die Zusatzklauseln wieder herausnehmen lassen, was problemlos funktionierte. Schwieriger war es bei der Kfz-Versicherung: Unsere Schadenfreiheitsklasse war „eingefroren" worden, aber wir verloren ein Jahr Schadenfreiheit. Das bedeutete höhere Prämien nach der Rückkehr. Man kann die SF-Klasse auch während des Auslandsaufenthalts „weiterlaufen" lassen, das kostet aber etwa 100 Euro pro Jahr.
Rückblickend auf unser Jahr in Neuseeland können wir sagen: Die Vorbereitung war aufwendig, die Kosten hoch, aber es hat sich gelohnt. Die wichtigste Lektion war, frühzeitig anzufangen – wir haben fünf Monate vor Abreise mit der Planung begonnen und das war knapp. Jede Versicherung sollte einzeln geprüft und angepasst werden. Pauschale Lösungen gibt es nicht, denn jeder Fall ist anders. Was für uns funktioniert hat, muss für andere nicht passen. Faktoren wie Zielland, Aufenthaltsdauer, berufliche Situation, Gesundheitszustand und Familiensituation spielen alle eine Rolle. Wir können nur jedem raten, sich professionell beraten zu lassen und nicht am falschen Ende zu sparen. Die paar hundert Euro für eine vernünftige Absicherung sind gut investiertes Geld für die eigene Sicherheit und Seelenruhe.
Für weitere Geschichten aus unserem Alltag, ehrliche Erfahrungsberichte über unsere Abenteuer im In- und Ausland und praktische Tipps für alle, die ähnliche Träume haben, besucht uns regelmäßig auf unserem Blog „Geschichten vom Küchentisch". Wir teilen dort unsere Erfolge und Misserfolge, damit andere aus unseren Erfahrungen lernen können – denn gemeinsam navigieren wir alle besser durch den Dschungel der Bürokratie und verwirklichen unsere Träume.