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Versicherungen & Recht

Klaus’ Sturz veränderte alles: Warum Senioren ohne Unfallversicherung ihr Zuhause riskieren

by Winterberg 2025. 10. 2.

Es war ein ganz normaler Dienstagmorgen im vergangenen November, als bei uns alles anders wurde. Klaus war gerade dabei, die Zeitung aus dem Briefkasten zu holen, ich stand in der Küche und bereitete unser Frühstück vor. Plötzlich hörte ich diesen dumpfen Schlag, gefolgt von einem unterdrückten Stöhnen. Mein Herz setzte einen Moment aus. Als ich zur Haustür eilte, lag Klaus auf der vereisten Treppe – die erste Frostnacht des Jahres hatte uns völlig überrascht. Der Krankenwagen kam schnell, aber die Diagnose im Krankenhaus war niederschmetternd: Oberschenkelhalsbruch, Operation unumgänglich, mindestens drei Monate Rehabilitation. In diesem Moment, während ich im sterilen Wartebereich des Krankenhauses saß und Klaus' Hand hielt, wurde uns beiden schlagartig klar, wie schnell sich das Leben ändern kann. Und noch etwas wurde uns bewusst: Wir hatten keine Ahnung, welche Kosten auf uns zukommen würden und was unsere Versicherungen eigentlich abdecken. Mit 67 und 64 Jahren hatten wir uns immer für gut abgesichert gehalten, aber plötzlich war alles in Frage gestellt.

Die ersten Tage nach Klaus' Unfall waren ein einziges Chaos aus Krankenhausbesuchen, Telefonaten mit Versicherungen und der verzweifelten Suche nach Unterlagen. Unsere Tochter Marina kam aus Hamburg angereist, um zu helfen, und gemeinsam saßen wir abends an unserem Küchentisch, vor uns einen Berg von Versicherungspolicen ausgebreitet. "Papa, hast du überhaupt eine Unfallversicherung?", fragte Marina. Klaus und ich schauten uns an. Natürlich, die gesetzliche Unfallversicherung! Aber Marinas Gesichtsausdruck verriet uns, dass das nicht reichen würde. Sie arbeitete selbst in der Versicherungsbranche und erklärte uns geduldig, was wir all die Jahre missverstanden hatten: Die gesetzliche Unfallversicherung greift nur bei Arbeitsunfällen und auf dem direkten Arbeitsweg. Da Klaus seit zwei Jahren in Rente war, griff sie in seinem Fall überhaupt nicht. Der Sturz auf unserer eigenen Treppe war ein privater Unfall – und dafür brauchte man eine private Unfallversicherung.

Nach intensiver Durchsicht unserer Unterlagen stellten wir fest, dass Klaus tatsächlich eine private Unfallversicherung hatte – abgeschlossen vor über dreißig Jahren, als Marina geboren wurde. Die Police war damals modern gewesen, mit einer Invaliditätssumme von 100.000 D-Mark und einer monatlichen Unfallrente von 500 D-Mark bei dauerhafter Beeinträchtigung. Nach der Euro-Umstellung und ohne jegliche Anpassung an die Inflation waren das heute etwa 51.000 Euro Invaliditätssumme und 250 Euro Monatsrente. Die Ernüchterung war groß. Die Kosten für den barrierefreien Umbau unseres Badezimmers würden allein schon 15.000 Euro betragen, der Treppenlift weitere 10.000 Euro. Von den laufenden Kosten für Physiotherapie, Haushaltshilfe und Medikamente ganz zu schweigen. Marinas Fazit war deutlich: "Die Versicherung ist besser als nichts, aber für eure Lebensituation völlig unzureichend."

Die Wochen der Rehabilitation gaben uns Zeit, uns intensiv mit dem Thema Unfallversicherung für Senioren auseinanderzusetzen. Dabei lernten wir Dinge, die uns niemand vorher erklärt hatte. Zum Beispiel, dass die Unfallgefahr mit dem Alter drastisch steigt – nicht weil wir unvorsichtiger werden, sondern weil unsere Reaktionsfähigkeit nachlässt, die Knochen brüchiger werden und das Gleichgewichtsgefühl schwächer wird. Statistisch gesehen passieren über 80 Prozent aller Unfälle bei Menschen über 60 im eigenen Haushalt. Die Treppe, die Badewanne, der Garten – alles potenzielle Gefahrenquellen. Gleichzeitig sind die Folgen eines Unfalls im Alter oft schwerwiegender. Was bei einem 30-Jährigen nach sechs Wochen verheilt ist, kann bei einem 70-Jährigen zu dauerhaften Einschränkungen führen.

Ein besonders wichtiger Aspekt, den wir erst durch Klaus' Unfall verstanden, war die Definition von Invalidität in der Unfallversicherung. Die meisten Policen arbeiten mit einer sogenannten Gliedertaxe, die festlegt, welcher Invaliditätsgrad bei Verlust oder Funktionseinschränkung bestimmter Körperteile angenommen wird. Der Verlust eines Daumens wird zum Beispiel mit 20 Prozent bewertet, ein Auge mit 50 Prozent. Aber was ist mit den typischen Altersunfällen? Ein komplizierter Oberschenkelhalsbruch führt selten zu einer messbaren Invalidität nach dieser Taxe, obwohl die Betroffenen oft dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Moderne Senioren-Unfallversicherungen haben hier nachgebessert und bieten erweiterte Leistungen speziell für typische Altersunfälle.

Vergleich: Klassische vs. Senioren-Unfallversicherung

Leistungsmerkmal Klassische Unfallversicherung Senioren-Unfallversicherung
Eintrittsalter Meist bis 65-70 Jahre Oft bis 75-80 Jahre
Invaliditätssumme Standard-Gliedertaxe Erweiterte Gliedertaxe für Altersunfälle
Assistance-Leistungen Begrenzt Umfangreich (Haushaltshilfe, Menüservice)
Progression Oft 225-350% Meist ohne oder niedrige Progression
Unfallrente Optional Meist inklusive
Bergungskosten Bis 10.000 € Oft bis 25.000 €
Beitragsanpassung Altersabhängig steigend Oft Festprämie
Wartezeiten Keine Teilweise 6-12 Monate

Diese Tabelle hätten wir gerne vor Klaus' Unfall gehabt. Sie zeigt deutlich die Unterschiede und hätte uns bei der Entscheidung geholfen.

Während Klaus' Genesung machten wir auch Bekanntschaft mit den Assistance-Leistungen, die manche Unfallversicherungen bieten. Bei unserem Zimmernachbarn im Krankenhaus, Herrn Brenner, 72 Jahre alt, hatte die Versicherung nach seinem Treppensturz sofort eine Haushaltshilfe organisiert, die Einkäufe erledigte und die Wohnung in Ordnung hielt. Seine Frau, selbst gesundheitlich angeschlagen, war unendlich dankbar dafür. Bei uns musste ich alles selbst organisieren und bezahlen. Die Rechnung für die Haushaltshilfe belief sich auf 800 Euro monatlich – Geld, das wir uns eigentlich für eine Reise nach Norwegen zurückgelegt hatten. Herr Brenner erzählte uns, dass seine Senioren-Unfallversicherung diese Kosten für bis zu sechs Monate übernimmt. Der Beitrag? 45 Euro monatlich. Wir zahlten für Klaus' alte Police 28 Euro und bekamen dafür praktisch nichts.

Ein Thema, das uns besonders beschäftigte, war die Frage der Vorerkrankungen. Mit Mitte 60 hat fast jeder seine gesundheitlichen Baustellen. Klaus nimmt Blutdrucksenker, ich habe Arthrose in den Knien. Viele Versicherungen schließen Unfälle aus, die durch Vorerkrankungen begünstigt werden. Was heißt das konkret? Wenn Klaus wegen eines Schwindelanfalls stürzt, der durch seinen Blutdruck verursacht wurde, könnte die Versicherung die Leistung verweigern. Bei speziellen Senioren-Policen sind solche Ausschlüsse oft großzügiger formuliert. Sie akzeptieren, dass bestimmte Vorerkrankungen zum Alter gehören und schließen nur grob fahrlässiges Verhalten aus.

Nach drei Monaten Rehabilitation kam Klaus endlich nach Hause. Die Treppe hatten wir mit einem rutschfesten Belag versehen und beidseitig Handläufe anbringen lassen – Kosten: 2.800 Euro. Das Badezimmer war noch nicht umgebaut, das würde noch dauern. Klaus bewegte sich vorsichtig, mit Gehstock, die Angst vor einem erneuten Sturz immer präsent. Wir beschlossen, unsere Versicherungssituation grundlegend zu überdenken. Marina half uns dabei, verschiedene Angebote einzuholen und zu vergleichen. Dabei stellten wir fest, dass der Markt für Senioren-Unfallversicherungen in den letzten Jahren enorm gewachsen war. Die Versicherer hatten erkannt, dass die Generation 60+ eine wichtige Zielgruppe ist – kaufkräftig, sicherheitsorientiert und bereit, für guten Schutz zu zahlen.

Die Suche nach der richtigen Police gestaltete sich schwieriger als gedacht. Manche Versicherer lehnten Klaus wegen seines Alters (67) und des kürzlichen Unfalls ab. Andere verlangten horrende Beiträge oder boten nur eingeschränkten Schutz. Ein Versicherungsvertreter, der zu uns nach Hause kam, versuchte uns eine Police für 180 Euro monatlich anzudrehen – pro Person! Das war mehr als unsere komplette Krankenversicherung. Wir lernten schnell, dass man genau hinschauen muss: Was ist wirklich versichert? Welche Ausschlüsse gibt es? Wie hoch sind die Leistungen im Ernstfall?

Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl war für uns die sofortige Hilfe nach einem Unfall. Viele Senioren-Unfallversicherungen bieten ein 24-Stunden-Notfalltelefon, über das sofort Hilfe organisiert wird. Das kann lebensrettend sein, besonders für Alleinstehende. Unsere Nachbarin Frau Hoffmann, 78 Jahre alt und verwitwet, hatte nach einem Sturz in ihrer Wohnung über diesen Service sofort Hilfe bekommen. Der Notdienst hatte einen Schlüsseldienst organisiert, den Rettungswagen gerufen und sogar ihre Tochter in München informiert. Ohne diesen Service hätte sie möglicherweise stundenlang hilflos in ihrer Wohnung gelegen.

Die finanzielle Seite der Unfallversicherung im Alter ist ein heikles Thema. Die Beiträge steigen mit dem Alter deutlich an, gleichzeitig leben viele Senioren von einer festen Rente, die nicht mitwächst. Wir mussten genau rechnen: Was können wir uns leisten? Was ist wirklich notwendig? Dabei half uns eine Beratung bei der Verbraucherzentrale. Der Berater dort machte uns auf Dinge aufmerksam, die wir übersehen hatten. Zum Beispiel, dass manche Versicherungen eine Altersobergrenze haben – mit 75 oder 80 ist Schluss, genau dann, wenn das Unfallrisiko am höchsten ist. Oder dass die Progression, die bei jungen Menschen sinnvoll ist, im Alter oft überflüssig wird. Progression bedeutet, dass bei höheren Invaliditätsgraden überproportional mehr gezahlt wird. Aber mal ehrlich: Bei einem Invaliditätsgrad von 80 Prozent mit 70 Jahren geht es nicht mehr darum, ein neues Leben aufzubauen, sondern darum, würdevoll und selbstbestimmt leben zu können.

Nach wochenlanger Recherche entschieden wir uns schließlich für eine spezielle Senioren-Unfallversicherung eines mittelständischen Versicherers. Die Police kostete für Klaus 58 Euro monatlich, für mich 52 Euro. Dafür bekamen wir eine Invaliditätssumme von 100.000 Euro (ohne Progression), eine monatliche Unfallrente von 500 Euro ab 50 Prozent Invalidität, umfangreiche Assistance-Leistungen und Bergungskosten bis 25.000 Euro. Besonders wichtig war uns die Übernahme von Umschulungskosten – nicht für einen neuen Beruf, sondern für den Alltag. Wenn Klaus zum Beispiel wegen seiner Gehbehinderung nicht mehr Auto fahren kann und auf ein behindertengerechtes Fahrzeug umsteigen muss, übernimmt die Versicherung die Mehrkosten.

Ein Punkt, der oft übersehen wird, ist die psychologische Komponente eines Unfalls im Alter. Klaus hatte nach seinem Sturz eine regelrechte Sturzangst entwickelt. Jede Treppe war eine Herausforderung, bei Glätte ging er gar nicht mehr aus dem Haus. Diese Angst schränkte unsere Lebensqualität enorm ein. Keine Spaziergänge mehr bei Schmuddelwetter, keine Besuche bei Freunden mit steilen Treppen. Die neue Versicherung bot überraschenderweise auch psychologische Betreuung nach Unfällen an. Klaus nahm das Angebot an und nach einigen Sitzungen wurde es tatsächlich besser. Die Angst verschwand nicht vollständig, aber sie wurde beherrschbar.

Die Erfahrungen aus unserem Umfeld zeigten uns, wie unterschiedlich Unfälle im Alter verlaufen können. Unsere Kegelfreundin Gertrud, 71, stürzte beim Fensterputzen von der Leiter – multiple Rippenbrüche, punktierte Lunge, vier Wochen Intensivstation. Ihre Unfallversicherung zahlte die vereinbarte Krankenhaustagegeld von 50 Euro pro Tag und übernahm die Kosten für eine Haushaltshilfe für drei Monate. Ohne diese Unterstützung hätte ihr Mann, selbst 75 und herzkrank, die Situation nicht bewältigen können. Ein anderer Fall: Unser ehemaliger Kollege Werner, 69, hatte einen Fahrradunfall. Die Versicherung lehnte die Leistung ab, weil er keinen Helm getragen hatte – grobe Fahrlässigkeit. Er kämpft seit zwei Jahren vor Gericht, bisher erfolglos. Diese Geschichten zeigten uns: Eine Unfallversicherung ist wichtig, aber man muss die Bedingungen genau kennen.

Im Laufe unserer Recherchen stießen wir auch auf alternative Absicherungsmöglichkeiten. Eine Bekannte hatte statt einer Unfallversicherung eine sogenannte Multi-Rente abgeschlossen. Diese zahlt nicht nur bei Unfällen, sondern auch bei schweren Krankheiten oder Pflegebedürftigkeit eine monatliche Rente. Der Vorteil: umfassenderer Schutz. Der Nachteil: deutlich teurer und oft mit Wartezeiten verbunden. Für uns kam das nicht in Frage, wir wollten gezielt das Unfallrisiko absichern. Aber für Menschen mit familiärer Vorbelastung bei bestimmten Krankheiten kann das eine sinnvolle Alternative sein.

Ein Jahr nach Klaus' Unfall können wir sagen: Es hat unser Leben verändert, aber nicht zerstört. Die neue Unfallversicherung gibt uns Sicherheit, auch wenn wir hoffen, sie nie wieder zu brauchen. Der barrierefreie Umbau unseres Hauses – finanziert teilweise durch Klaus' alte Versicherung, teilweise durch unsere Ersparnisse – macht das Leben einfacher. Die Dusche ist ebenerdig, überall sind Haltegriffe, die Treppen haben rutschfeste Beläge. Das mag übertrieben klingen, aber wir sehen es als Investition in unsere Zukunft. Statistisch gesehen wird jeder Dritte über 65 mindestens einmal im Jahr stürzen. Wir wollen vorbereitet sein.

Die Diskussionen an unserem Küchentisch haben sich verändert. Früher planten wir Reisen und Ausflüge, ohne groß nachzudenken. Heute ist immer ein kleiner Gedanke dabei: Was ist, wenn etwas passiert? Sind wir abgesichert? Das mag pessimistisch klingen, aber es gibt uns paradoxerweise mehr Freiheit. Wir trauen uns wieder mehr, weil wir wissen, dass im Ernstfall Hilfe da ist. Letzten Sommer sind wir sogar wieder in die Berge gefahren – mit der Gewissheit, dass die Bergungskosten im Notfall übernommen werden.

Checkliste für die Wahl einer Senioren-Unfallversicherung

Was sollte man bei der Auswahl beachten? Zunächst die Invaliditätssumme – sie sollte mindestens 100.000 Euro betragen, besser mehr. Die Gliedertaxe sollte seniorengerecht sein, das heißt, typische Altersunfälle angemessen berücksichtigen. Assistance-Leistungen sind fast wichtiger als hohe Geldleistungen – Hilfe im Haushalt, Fahrdienste, Einkaufsservice. Eine Unfallrente ab 50 Prozent Invalidität sichert laufende Mehrkosten ab. Verzichten kann man auf hohe Progression und Todesfallleistungen – im Alter geht es um Lebensqualität, nicht um Hinterbliebenenversorgung. Wichtig sind auch kurze Meldefristen und kulante Schadenregulierung. Und ganz wichtig: Die Police sollte nicht mit 75 oder 80 enden, sondern lebenslang laufen.

Ein Aspekt, der uns erst spät bewusst wurde, ist die Bedeutung der Nachversicherungsgarantie. Viele Policen erlauben es, die Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen – aber nur bis zu einem bestimmten Alter oder bei bestimmten Ereignissen wie Heirat oder Geburt eines Kindes. Für Senioren greifen diese Klauseln meist nicht mehr. Besser sind Policen mit dynamischer Anpassung, bei denen die Leistungen automatisch um einen festen Prozentsatz steigen. So bleibt der Schutz trotz Inflation erhalten.

Oft wurden wir von Freunden und Bekannten gefragt, ob sich eine Unfallversicherung im Alter überhaupt noch lohnt. Die Beiträge sind hoch, die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls auch – ist das nicht ein Minusgeschäft? Unsere Antwort ist differenziert. Wer über ausreichend Vermögen verfügt, um einen Unfall und seine Folgen selbst zu finanzieren, braucht vielleicht keine Versicherung. Aber mal ehrlich: Wer hat schon 100.000 Euro oder mehr auf der hohen Kante, die er für Unfallfolgen ausgeben kann? Die meisten Rentner leben von ihrer Rente und haben vielleicht ein kleines Polster für Notfälle. Ein schwerer Unfall kann diese Rücklagen schnell aufzehren. Die Unfallversicherung ist eine Wette gegen das Schicksal – man hofft, sie nie zu brauchen, aber wenn der Fall eintritt, ist man froh, sie zu haben.

Eine typische Frage war auch, ob man mit Vorerkrankungen überhaupt eine Unfallversicherung bekommt. Die Antwort: Es kommt darauf an. Viele Versicherer fragen nach Vorerkrankungen und lehnen bei schweren Leiden ab oder verlangen Risikozuschläge. Aber es gibt auch Anbieter, die gezielt Senioren mit Vorerkrankungen versichern. Die Beiträge sind höher, der Schutz oft eingeschränkt, aber besser als gar keine Absicherung. Klaus bekam trotz seines Bluthochdrucks und des vorangegangenen Unfalls eine neue Police – mit einem Zuschlag von 20 Prozent und dem Ausschluss von Folgeunfällen an derselben Stelle. Nicht ideal, aber akzeptabel.

Wir haben uns selbst lange gefragt, ob es nicht sinnvoller wäre, das Geld für die Versicherungsbeiträge zu sparen und selbst vorzusorgen. Bei 110 Euro monatlich für uns beide sind das 1.320 Euro im Jahr. In zehn Jahren wären das 13.200 Euro – wenn nichts passiert. Aber was ist, wenn schon im ersten Jahr ein Unfall passiert? Dann hätten wir 1.320 Euro gespart und müssten trotzdem zehntausende Euro für Umbauten und Hilfsmittel ausgeben. Die Versicherung ist wie ein Sicherheitsnetz – man zahlt dafür, dass es da ist, auch wenn man hofft, nie hineinzufallen. Und ehrlich gesagt: Die Gewissheit, abgesichert zu sein, ist unbezahlbar. Wir schlafen besser, seit wir wissen, dass wir im Ernstfall nicht alleine dastehen.

Manchmal wurden wir auch gefragt, wie man eine bestehende Unfallversicherung an das Alter anpasst. Viele haben ja noch alte Policen aus ihrer aktiven Zeit. Unser Rat: Genau prüfen, was versichert ist und was nicht. Oft sind die Summen zu niedrig, die Leistungen nicht altersgerecht. Ein Wechsel kann sinnvoll sein, aber Vorsicht: Neue Verträge bedeuten neue Gesundheitsprüfungen und höhere Beiträge. Manchmal ist es besser, die alte Police zu behalten und durch eine zusätzliche Senioren-Police zu ergänzen. Das haben wir letztendlich auch gemacht: Klaus' alte Versicherung läuft weiter, die neue ergänzt sie. So haben wir doppelten Schutz, ohne auf bewährte Leistungen zu verzichten.

Eine wichtige Frage betrifft auch die steuerliche Absetzbarkeit. Unfallversicherungen kann man als Vorsorgeaufwendungen von der Steuer absetzen – theoretisch. Praktisch ist der Höchstbetrag meist schon durch Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft. Bei Rentnern sieht es oft anders aus: Da die Einkünfte niedriger sind, kann sich die Absetzbarkeit lohnen. Wir konnten tatsächlich einen Teil unserer Beiträge geltend machen und bekamen etwa 200 Euro vom Finanzamt zurück. Nicht viel, aber immerhin ein kleiner Trost für die hohen Beiträge.

Viele Senioren fragten uns auch nach Gruppen-Unfallversicherungen. Manche Vereine oder Verbände bieten ihren Mitgliedern günstige Gruppentarife an. Das kann sich lohnen, aber man sollte genau hinschauen. Oft sind die Leistungen standardisiert und nicht auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten. Wir sind beide im Seniorensportverein, der eine Gruppen-Unfallversicherung anbietet. Die Beiträge sind tatsächlich günstiger – 35 Euro monatlich –, aber die Leistungen auch entsprechend geringer. Als Basisschutz okay, aber für uns nicht ausreichend.

Besonders häufig wurden wir nach dem Unterschied zwischen Unfallversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung gefragt. Viele denken, das sei dasselbe, aber es gibt gravierende Unterschiede. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann – egal ob durch Krankheit oder Unfall. Für Rentner irrelevant, da sie keinen Beruf mehr ausüben. Die Unfallversicherung zahlt nur bei Unfällen, dafür aber unabhängig von einer Berufstätigkeit. Für Senioren ist daher nur die Unfallversicherung sinnvoll. Es sei denn, man hat eine alte BU-Police mit Umstellungsoption auf Unfallschutz – die sollte man unbedingt prüfen und gegebenenfalls nutzen.

Heute, anderthalb Jahre nach Klaus' Unfall, hat sich unser Leben wieder normalisiert. Die Narbe an seinem Bein erinnert an das Geschehene, aber die Mobilität ist fast vollständig zurückgekehrt. Wir gehen wieder wandern, fahren Rad, genießen unseren Garten. Die Unfallversicherung haben wir nicht mehr gebraucht – zum Glück. Aber wir sind jeden Monat dankbar, dass sie da ist. Es ist wie mit dem Airbag im Auto: Man denkt nicht ständig daran, aber es beruhigt zu wissen, dass er im Ernstfall da ist.

Unsere wichtigste Erkenntnis aus dieser Erfahrung: Man sollte sich rechtzeitig mit dem Thema Unfallversicherung im Alter auseinandersetzen. Nicht erst, wenn etwas passiert ist, sondern vorher. Mit 60 bekommt man noch gute Konditionen, mit 70 wird es schwieriger, mit 80 fast unmöglich. Und man sollte nicht an der falschen Stelle sparen. Ja, 100 Euro monatlich für eine Unfallversicherung sind viel Geld für Rentner. Aber ein Unfall ohne Versicherung kann die finanzielle Existenz bedrohen. Wir haben Bekannte, die ihr Haus verkaufen mussten, um die Folgen eines Unfalls zu finanzieren. Das wollten wir uns und unseren Kindern ersparen.

Zum Abschluss noch ein Rat an alle, die sich mit dem Thema beschäftigen: Lasst euch beraten, aber nicht überreden. Holt mehrere Angebote ein, vergleicht genau, lest das Kleingedruckte. Und vor allem: Lasst euch nicht von Verkäufern unter Druck setzen. "Das Angebot gilt nur heute" ist meist eine Verkaufstaktik. Eine gute Versicherung hat es nicht nötig, mit Druck zu verkaufen. Nehmt euch Zeit, besprecht es mit der Familie, schlaft eine Nacht darüber. Es geht um eure Sicherheit im Alter – da sollte man keine überstürzten Entscheidungen treffen.

Wenn ihr mehr über unsere Erfahrungen lesen wollt oder Fragen habt, schreibt uns gerne. Hier an unserem Küchentisch sammeln wir Geschichten aus unserem Alltag – mal heiter, mal nachdenklich, immer ehrlich. Nächste Woche erzählen wir, wie wir unseren Garten altersgerecht umgestaltet haben und warum ein Hochbeet die beste Investition seit langem war. Bis dahin: Passt auf euch auf und denkt daran – Vorsicht ist besser als Nachsicht, aber eine gute Versicherung gibt zusätzliche Sicherheit!