
„Papa, mir ist schlecht." Diese drei Worte von unserem Sohn Max, ausgesprochen am dritten Tag unseres Mallorca-Urlaubs, haben unsere komplette Einstellung zum Thema Auslandskrankenversicherung verändert. Aber fangen wir von vorne an.
Es war letzter Juni, wir saßen am Küchentisch und planten unseren Sommerurlaub. Thomas scrollte durch Flugvergleichsportale, ich suchte nach kinderfreundlichen Hotels, und Emma, unsere Große, malte schon mal Sandburgen in ihr Tagebuch. „Brauchen wir eigentlich eine extra Versicherung?", fragte Thomas beiläufig, während er die Buchung fast abschließen wollte. „Ach, wir haben doch die Krankenkasse", sagte ich. Wie naiv wir waren.
Die Auslandskrankenversicherung für Familien war für uns immer so ein Ding, das andere Leute abschließen. Die Vorsichtigen. Die Ängstlichen. Wir dachten ernsthaft, unsere gesetzliche Krankenversicherung würde schon alles abdecken. Spanien ist ja EU, was soll schon passieren? Tja.
Max' Bauchschmerzen fingen harmlos an. Wahrscheinlich zu viel Eis, dachten wir. Aber als er nachts vor Schmerzen weinte und Fieber bekam, fuhren wir ins nächste Krankenhaus. Die Fahrt im spanischen Taxi, Max auf meinem Schoß, Thomas, der verzweifelt Google Translate bediente – ich werde diese zwanzig Minuten nie vergessen.
Im Krankenhaus angekommen, die erste Frage der Rezeptionistin: „Seguro privado?" Private Versicherung? Wir kramten unsere Europäischen Krankenversicherungskarten raus. Die Dame nickte, aber ihr Gesichtsausdruck sagte alles. Das würde kompliziert werden.
Die Behandlung im Ausland war eigentlich super. Der spanische Kinderarzt war toll, sprach sogar etwas Deutsch. Blinddarm-Verdacht, zum Glück falscher Alarm. Am Ende war es eine heftige Magen-Darm-Geschichte, wahrscheinlich vom Hotelbuffet. Max bekam Infusionen, Medikamente, musste eine Nacht zur Beobachtung bleiben. Ich blieb bei ihm, Thomas kümmerte sich um Emma im Hotel.
Dann kam die Rechnung. 1.847 Euro. Bar oder Kreditkarte? Wir starrten die Dame an der Kasse ungläubig an. „Aber wir haben doch die Europäische Krankenversicherungskarte", stammelte Thomas. Ja, nickte sie, damit könnten wir das Geld später von unserer Krankenkasse zurückfordern. Vielleicht. Teilweise.
Wir zahlten mit Kreditkarte. Was blieb uns übrig? Im Hotel googelte ich dann wie verrückt. Was ich da las, hätte ich gerne vorher gewusst. Die gesetzliche Krankenversicherung im Ausland übernimmt nur das, was sie auch in Deutschland zahlen würde. Und auch nur in der EU, und auch nur teilweise. Private Krankenhäuser? Meist nicht. Rücktransport? Never ever. Privatärztliche Behandlung? Fehlanzeige.
Der Krankenrücktransport aus dem Ausland – das ist so ein Thema, über das niemand nachdenkt, bis er es braucht. Eine Bekannte von uns hatte mal einen schweren Unfall in Thailand. Broken leg, komplizierter Bruch. Die Behandlung vor Ort war okay, aber die Ärzte rieten zum Rücktransport nach Deutschland für die OP. Kosten: 45.000 Euro. Ihre Krankenkasse? Zahlte keinen Cent, weil sie in Thailand ja hätte operiert werden können. Dass die medizinische Versorgung dort nicht unserem Standard entspricht? Egal.
Die Kosten einer Auslandskrankenversicherung sind dagegen ein Witz. Wir haben jetzt eine Familienpolice, die kostet uns 39 Euro. Im Jahr! Nicht im Monat, im Jahr! Dafür sind wir alle vier versichert, weltweit, bis zu 56 Tage pro Reise. Thomas meinte neulich: „Dafür bekommt man nicht mal eine Tankfüllung."
Was genau diese Reisekrankenversicherung alles abdeckt, habe ich mir nach unserer Spanien-Erfahrung ganz genau angeschaut. Ambulante und stationäre Behandlung, hundert Prozent. Medikamente, Verbandsmaterial, Heilmittel – alles dabei. Schmerzstillende Zahnbehandlung, sogar provisorischer Zahnersatz. Und das Beste: der medizinisch sinnvolle Krankenrücktransport. Nicht nur der medizinisch notwendige, das ist ein wichtiger Unterschied.
Medizinisch notwendig heißt nämlich: Du stirbst, wenn du nicht nach Hause transportiert wirst. Medizinisch sinnvoll heißt: Du wirst zu Hause besser gesund, weil deine Familie da ist, die Ärzte deine Sprache sprechen, du dich auskennst. Das ist ein riesiger Unterschied, vor allem mit Kindern.
Die Auslandskrankenversicherung für Kinder ist sowieso ein Thema für sich. Kinder werden im Ausland schneller krank als Erwachsene. Anderes Essen, anderes Wasser, andere Keime, aufregender Tagesablauf. Emma hatte mal in Griechenland eine Mittelohrentzündung. Mitten in der Nacht, auf einer kleinen Insel. Der einzige Arzt sprach nur Griechisch, das Antibiotikum mussten wir aus Athen einfliegen lassen. Mit Versicherung? Kein Problem, alles geregelt. Ohne? Hätte uns 500 Euro gekostet.
Was viele nicht wissen: Manche Familientarife der Auslandskrankenversicherung decken sogar Zusatzleistungen ab, die man gar nicht auf dem Schirm hat. Kinderbetreuungskosten, wenn die Eltern im Krankenhaus sind. Besuchskosten für Angehörige bei längeren Krankenhausaufenthalten. Sogar Überführungskosten im Todesfall – mag man nicht drüber nachdenken, aber wenn's passiert, ist man froh.
Die beste Auslandskrankenversicherung zu finden, ist gar nicht so schwer. Es gibt Vergleichsportale, Stiftung Warentest testet regelmäßig, und die Unterschiede sind gar nicht so groß. Wichtig ist: keine Selbstbeteiligung, weltweiter Schutz, und eben dieser medizinisch sinnvolle Rücktransport. Manche Versicherungen haben eine Altersbegrenzung für den Abschluss, andere nicht. Manche gelten nur für Urlaubsreisen, andere auch für Geschäftsreisen.
Wir haben uns für eine Jahresversicherung entschieden, nicht für eine Einzelreiseversicherung. Der Unterschied? Die Jahresversicherung gilt für alle Reisen in einem Jahr, egal wie viele. Die Einzelreiseversicherung nur für eine spezielle Reise. Preislich macht die Jahresversicherung ab zwei Reisen Sinn. Und mal ehrlich, wer fährt nur einmal im Jahr weg?
Die Europäische Krankenversicherungskarte EHIC haben wir natürlich trotzdem noch. Die ist ja auf der Rückseite der normalen Krankenkassenkarte. Aber darauf verlassen? Never again. Die EHIC gilt nur in EU-Ländern plus ein paar anderen wie Norwegen oder der Schweiz. Sie deckt nur die Notfallversorgung ab, nur in staatlichen Krankenhäusern, nur zu den Bedingungen des jeweiligen Landes. In manchen Ländern zahlt man trotz EHIC erstmal selbst und muss dann hoffen, dass man was zurückbekommt.
Ein Arbeitskollege von Thomas hat mal eine Geschichte erzählt, die zeigt, warum die private Auslandskrankenversicherung so wichtig ist. Seine Schwiegermutter hatte einen Herzinfarkt in der Türkei. All-inclusive-Urlaub, sie dachte, da ist alles inklusive. War es nicht. Die Behandlung in der Privatklinik kostete 12.000 Euro, der Rücktransport mit Arztbegleitung nochmal 15.000 Euro. Ohne Versicherung. Die Familie musste einen Kredit aufnehmen.
Die Leistungen der Auslandskrankenversicherung gehen oft über das hinaus, was man erwartet. Unsere Versicherung hat zum Beispiel eine 24-Stunden-Hotline mit deutschsprachigen Ärzten. Als Max in Spanien krank wurde, hätten wir da anrufen können. Die hätten uns gesagt, welches Krankenhaus gut ist, hätten für uns übersetzt, sogar einen Termin gemacht. Wussten wir damals nicht, weil wir die Versicherung ja nicht hatten.
Auch die Gültigkeitsdauer ist wichtig. Die meisten Versicherungen gelten für Reisen bis 42, 56 oder 70 Tage. Wer länger wegbleibt, braucht eine Langzeitversicherung. Das betrifft uns nicht, wir schaffen ja kaum zwei Wochen am Stück. Aber meine Schwester, die ein Sabbatical in Neuseeland gemacht hat, musste da genau hinschauen.
Die Auslandskrankenversicherung ohne Selbstbeteiligung ist meiner Meinung nach ein Muss. Es gibt Tarife mit Selbstbeteiligung, die sind ein paar Euro günstiger. Aber mal ehrlich, wenn man im Ausland krank wird, hat man schon genug Stress. Da will ich nicht auch noch rechnen müssen, ob sich der Arztbesuch lohnt.
Was mich überrascht hat: Viele Kreditkarten haben eine Auslandskrankenversicherung inklusive. Aber Vorsicht, da muss man genau hinschauen. Oft gilt die nur, wenn man die Reise mit der Karte bezahlt hat. Oder nur für den Karteninhaber, nicht für die Familie. Oder mit hoher Selbstbeteiligung. Oder ohne Rücktransport. Als Zusatzschutz okay, als einziger Schutz zu dünn.
Die Reiseversicherung für chronisch Kranke ist nochmal ein Spezialthema. Thomas' Mutter hat Diabetes, da wird's komplizierter. Nicht alle Versicherungen nehmen chronisch Kranke auf, manche verlangen einen Risikozuschlag. Sie hat jetzt eine spezielle Versicherung für chronisch Kranke, kostet mehr, aber deckt auch ihre Vorerkrankung ab.
Übrigens sollte man auch an die Auslandskrankenversicherung für Haustiere denken. Klingt verrückt, aber wer mit Hund verreist, sollte auch den absichern. Unsere Nachbarn hatten ihren Labrador in Österreich dabei, der hat sich die Pfote verletzt. Tierarzt, Röntgen, Verband – 400 Euro. Ohne Versicherung.
Die Abrechnung mit der Auslandskrankenversicherung ist meist unkompliziert. Belege sammeln, einreichen, Geld zurück. Bei größeren Sachen kann die Versicherung auch direkt mit dem Krankenhaus abrechnen. Bei Max' Behandlung in Spanien hätten wir nur anrufen müssen, dann hätte die Versicherung die Rechnung direkt übernommen. Stattdessen haben wir erstmal selbst gezahlt und dann von der Krankenkasse 340 Euro zurückbekommen. Den Rest haben wir abgeschrieben. Lehrgeld.
Die USA sind übrigens ein Kapitel für sich. Da kann eine Blinddarm-OP mal eben 30.000 Dollar kosten. Eine Freundin von uns hatte einen Fahrradunfall in San Francisco. Nichts Schlimmes, aber Krankenhaus, CT, ein paar Stiche. Rechnung: 8.000 Dollar. Ihre Auslandskrankenversicherung hat alles übernommen. Ohne Versicherung wäre der Urlaub ruiniert gewesen, finanziell und emotional.
Auch Schwangere sollten genau hinschauen. Nicht alle Versicherungen decken Schwangerschaftskomplikationen ab. Und Entbindungen im Ausland schon gar nicht. Eine Bekannte hat ihr Kind ungeplant vier Wochen zu früh in Portugal bekommen. Die Versicherung hat gezahlt, aber nur, weil es eine echte Frühgeburt war. Eine geplante Entbindung im Ausland wäre nicht versichert gewesen.
Die Impfungen sind auch so ein Thema. Die Auslandskrankenversicherung zahlt keine vorbeugenden Impfungen, das ist klar. Aber wenn man im Ausland nach einem Tierbiss eine Tollwutimpfung braucht, ist das versichert. Oder Malaria-Notfallmedikamente. Oder eine Tetanusspritze nach einer Verletzung.
Was ich jedem rate: Die Versicherungsbedingungen wirklich lesen. Ich weiß, ist langweilig. Aber da stehen wichtige Sachen drin. Zum Beispiel, dass man Sportarten mit erhöhtem Risiko extra versichern muss. Oder dass manche Länder ausgeschlossen sind. Oder dass man die Versicherung vor Reiseantritt abschließen muss.
Unsere Kinder finden es übrigens beruhigend, dass wir jetzt versichert sind. Emma hat das in der Schule erzählt, und prompt haben drei andere Familien auch eine Familienversicherung abgeschlossen. „Mama hat gesagt, das kostet nur so viel wie eine Pizza", hat sie erklärt. Kindermund tut Wahrheit kund.

Die Corona-Pandemie hat das Thema Auslandskrankenversicherung nochmal wichtiger gemacht. Viele Versicherungen haben ihre Bedingungen angepasst, decken jetzt auch Covid-19 ab. Aber auch hier: genau hinschauen. Manche zahlen nur, wenn man nicht in ein Land mit Reisewarnung gereist ist.
Thomas hat übrigens ausgerechnet, was uns unsere bisherigen Auslandsreisen ohne Versicherung hätten kosten können. Emmas Mittelohrentzündung in Griechenland, mein verstauchter Knöchel in Österreich, seine Lebensmittelvergiftung in Italien, Max' Magen-Darm in Spanien. Zusammen etwa 3.000 Euro. Demgegenüber stehen fünf Jahre Versicherungsbeiträge von insgesamt 195 Euro. Die Rechnung ist eindeutig.
Neulich beim Elternabend kam das Thema Klassenfahrt auf. Nach London, fünf Tage. Die Lehrerin fragte, wer eine Auslandskrankenversicherung für sein Kind hat. Drei Viertel der Eltern meldeten sich nicht. „Ist doch EU", sagte einer. „Die Schule hat doch eine Gruppenversicherung", meinte eine andere. Beides stimmt, beides reicht nicht.
Die Gruppenversicherung der Schule deckt meist nur Haftpflicht und Unfall ab, keine Krankheit. Und selbst wenn, sind die Leistungen oft begrenzt. Für ein paar Euro kann man sein Kind zusätzlich absichern. Das ist es doch wert, oder?
Was mich ärgert: Warum erklärt einem das niemand? Warum steht bei der Reisebuchung nicht dick und fett: „Denken Sie an die Auslandskrankenversicherung"? Warum sagt einem das kein Arzt, kein Reisebüro, niemand? Wir mussten es auf die harte Tour lernen.
Immerhin, aus Fehlern wird man klug. Dieses Jahr fahren wir wieder nach Spanien. Gleicher Ort, gleiches Hotel. Aber diesmal mit Auslandskrankenversicherung für die ganze Familie. Die Versicherungsunterlagen liegen kopiert in meiner Handtasche, die Notfallnummer ist im Handy gespeichert, und beide Kinder wissen, dass sie uns sofort Bescheid sagen sollen, wenn ihnen was wehtut.
Gestern Abend saßen wir wieder am Küchentisch und haben die nächste Reise geplant. Herbstferien, vielleicht Dänemark. „Brauchen wir da auch die Versicherung?", fragte Emma. „Ist doch gar nicht weit weg." Ich habe ihr erklärt, dass die Entfernung egal ist. Krank werden kann man überall, und die deutschen Krankenkassen zahlen im Ausland nun mal nicht alles.
„Dann ist das wie ein Schutzschild", meinte sie. „Genau", sagte Thomas. „Ein Schutzschild, das nur 39 Euro kostet." Max, der eigentlich schon im Bett sein sollte, kam nochmal in die Küche geschlichen. „Nehmen wir das Schutzschild mit nach Dänemark?", fragte er. Natürlich nehmen wir es mit. Überall hin.
Die Auslandskrankenversicherung ist für uns jetzt selbstverständlich geworden. Wie das Handy-Ladekabel oder die Sonnencreme. Man packt es ein und hofft, es nicht zu brauchen. Aber wenn man es braucht, ist man verdammt froh, dass man es dabeihat.
Wenn ich anderen Eltern einen Rat geben sollte: Schließt die Versicherung ab, bevor ihr sie braucht. Nicht erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Oder in unserem Fall: wenn das Kind schon mit Bauchschmerzen im spanischen Krankenhaus liegt. Diese 39 Euro im Jahr sind die beste Investition in entspannte Familienurlaube. Punkt.
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