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Versicherungen & Recht

Wie wir mit 19 Grad 720 € im Jahr sparten – unser ehrliches Heiz-Experiment

by Winterberg 2025. 9. 26.

Wissen Sie noch, als wir letzten Oktober am Küchentisch saßen und die Gasrechnung aufmachten? Mein Mann Klaus hat erstmal tief durchgeatmet, dann seine Brille abgenommen und geputzt – sein klassisches Zeichen für „das wird teuer". Ich hab nur auf die Zahl gestarrt und gedacht: Das kann nicht sein. Das ist mehr als unser Urlaub nach Kroatien gekostet hat. Und dabei hatten wir noch nicht mal besonders viel geheizt, dachten wir zumindest.

An diesem Abend haben wir beschlossen, es anders zu machen. Nicht aus reinem Geiz, verstehen Sie uns nicht falsch. Aber diese Summe für warme Luft, die teilweise zum Fenster raus verschwindet? Das musste doch auch anders gehen. Klaus meinte noch scherzhaft, wir könnten ja mal testen, wie unsere Großeltern das früher gemacht haben – nur ein Zimmer heizen und alle mit Wolldecken auf dem Sofa. Ich hab gelacht, aber der Gedanke ließ uns nicht mehr los.

Was dann folgte, waren vier Wochen voller Experimente, Erkenntnisse und manchmal auch kalter Füße. Vier Wochen, in denen wir unsere Heizgewohnheiten komplett umkrempelten und dabei Dinge lernten, von denen wir vorher noch nie gehört hatten. Hydraulischer Abgleich? Heizkurve? Das klang für uns wie Fachchinesisch. Heute wissen wir nicht nur, was das bedeutet, sondern auch, warum es funktioniert. Und das Beste: Wir frieren nicht, auch wenn das Thermometer nur noch 19 Grad zeigt.

In der ersten Woche ging es uns vor allem darum, überhaupt mal zu verstehen, wie viel wir eigentlich heizen und wo die Wärme hingeht. Klaus hatte sich ein digitales Thermometer besorgt – eigentlich wollte er nur eins, aber Sie kennen das ja, am Ende standen wir mit fünf Stück an der Kasse. „Für jeden Raum eins", meinte er, und die Verkäuferin schmunzelte. Diese kleinen Dinger wurden zu unseren ständigen Begleitern. Morgens der erste Blick: Schlafzimmer 16 Grad, Wohnzimmer 21 Grad, Bad erstaunliche 23 Grad.

Das erste, was uns auffiel: Die Temperaturunterschiede in unserer Wohnung waren gewaltig. Während wir im Bad praktisch in den Tropen lebten, war das Schlafzimmer eine Kühlkammer. Dabei hatten wir alle Heizkörper auf die gleiche Stufe gestellt – Stufe 3, weil das irgendwie normal klang. Erst später haben wir verstanden, dass die Zahlen auf dem Thermostat gar nicht die Heizstufe angeben, sondern Zieltemperaturen. Stufe 1 entspricht etwa 12 Grad, Stufe 2 etwa 16 Grad, Stufe 3 etwa 20 Grad, Stufe 4 etwa 24 Grad und Stufe 5 etwa 28 Grad. Das Ventil regelt dann selbstständig, wie viel warmes Wasser durch den Heizkörper fließt, um diese Temperatur zu erreichen. Klingt logisch, wenn man es weiß, aber ehrlich gesagt haben wir das jahrelang nicht gewusst.

Diese erste Erkenntnis führte direkt zur ersten Maßnahme: Wir stellten die Thermostate neu ein. Im Schlafzimmer reicht uns Stufe 2, also etwa 16 Grad – perfekt zum Schlafen unter der warmen Decke. Im Wohnzimmer, wo wir abends sitzen, stellten wir auf Stufe 3. Das Bad reduzierten wir von gefühlten Tropentemperaturen auf Stufe 2,5 – immer noch angenehm warm beim Duschen, aber nicht mehr diese Sauna-Atmosphäre. Die Küche? Da reicht oft Stufe 1 oder 2, weil Herd und Backofen sowieso heizen.

Aber dann kam der erste Dämpfer. Klaus hatte gelesen, dass man nachts die Heizung komplett ausschalten könnte, um zu sparen. Also: Alle Thermostate auf Null gedreht. Am nächsten Morgen war die Wohnung so kalt, dass selbst der Kaffee nicht half. Und das Aufheizen dauerte ewig! Wir merkten schnell: Das war keine gute Idee. Ein komplett ausgekühlter Raum braucht viel mehr Energie zum Aufheizen als einer, der nur leicht temperiert gehalten wird. Das ist wie beim Autofahren – ständiges Bremsen und wieder Beschleunigen verbraucht mehr Sprit als gleichmäßiges Fahren.

Die Nachtabsenkung ist tatsächlich sinnvoll, aber eben mit Maß. Wir haben gelernt, dass eine Absenkung um 3 bis 4 Grad optimal ist. Also nicht von 20 auf 0 Grad, sondern von 20 auf 16 oder 17 Grad. Das spart Energie, verhindert aber das komplette Auskühlen. Bei modernen Heizungsanlagen kann man das sogar programmieren – die Heizkurve, von der wir vorher noch nie gehört hatten. Diese Kurve bestimmt, wie stark die Heizung arbeitet in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Je kälter es draußen ist, desto höher die Vorlauftemperatur des Heizwassers. Klingt kompliziert? Ist es auch, aber wenn man es einmal richtig eingestellt hat, läuft es von selbst.

Am Ende der ersten Woche hatten wir also schon einiges gelernt und die Thermostate neu justiert. Das Thermometer im Wohnzimmer zeigte konstant 19 bis 20 Grad, und siehe da – es fühlte sich gar nicht kalt an. Der Trick war, dass wir uns Zeit gaben, uns daran zu gewöhnen. Die ersten zwei Tage haben wir noch gefroren, aber dann hatte sich der Körper umgestellt. Außerdem entdeckten wir die Macht der Kleidung neu. Ein dicker Pullover, warme Hausschuhe – plötzlich waren 19 Grad vollkommen ausreichend.

In der zweiten Woche wurden wir mutiger und wagten uns an die technischen Details. Klaus hatte im Internet von diesem mysteriösen hydraulischen Abgleich gelesen. Klingt nach Raketenwissenschaft, ist aber eigentlich ganz logisch. In einem Heizungssystem nimmt das Wasser immer den Weg des geringsten Widerstands. Das bedeutet: Heizkörper, die nah am Heizkessel sind, werden schneller warm als die weiter entfernten. Bei uns war das extrem – der Heizkörper im Flur glühte praktisch, während der im Schlafzimmer am Ende des Gangs kaum warm wurde.

Ein hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge bekommt, die er braucht. Dafür werden spezielle Ventile eingestellt oder ausgetauscht. Wir haben einen Installateur kommen lassen – kostete uns 650 Euro für die ganze Wohnung, aber die Investition hat sich gelohnt. Plötzlich wurden alle Räume gleichmäßig warm, und wir konnten die Vorlauftemperatur der Heizung insgesamt senken. Der Installateur meinte, dass viele Heizungen ohne hydraulischen Abgleich laufen und dadurch 10 bis 15 Prozent mehr Energie verbrauchen. Bei den heutigen Gaspreisen macht sich das schnell bezahlt.

Während der Installateur da war, haben wir gleich noch etwas anderes gelernt: Heizkörper entlüften. Klar, davon hatten wir schon mal gehört, aber gemacht? Nie. Der Mann zeigte uns, wie es geht. Man braucht nur einen Entlüftungsschlüssel – kostet einen Euro im Baumarkt. Ventil vorsichtig aufdrehen, warten bis Wasser kommt, wieder zu. Bei unserem Wohnzimmerheizkörper kam erst mal minutenlang nur Luft raus. Kein Wunder, dass der nie richtig warm wurde! Seitdem entlüften wir regelmäßig, besonders zu Beginn der Heizperiode. Der Unterschied ist deutlich spürbar – die Heizkörper werden schneller und gleichmäßiger warm.

Eine weitere Entdeckung dieser Woche: Die Position der Möbel macht einen riesigen Unterschied. Unser Sofa stand direkt vor dem Heizkörper. Sah gut aus, war aber thermisch gesehen eine Katastrophe. Die Wärme konnte nicht in den Raum strömen, staute sich hinter dem Sofa und verschwand größtenteils durchs Fenster nach draußen. Wir haben das Wohnzimmer umgestellt – das Sofa wanderte an die gegenüberliegende Wand. Allein dadurch fühlte sich der Raum wärmer an, obwohl wir die Heizung nicht höher gedreht hatten.

Apropos Fenster: Die sind die größten Wärmeräuber in jeder Wohnung. Selbst bei modernen Isolierglasfenstern geht hier die meiste Energie verloren. Wir haben angefangen, konsequent die Rollläden runterzulassen, sobald es dunkel wird. Die zusätzliche Luftschicht zwischen Rollladen und Fenster wirkt wie eine Isolierung. Im Schlafzimmer haben wir sogar richtig dicke Vorhänge aufgehängt – die sehen nicht nur gemütlich aus, sondern halten tatsächlich die Wärme drin. Der Temperaturunterschied macht etwa 1 bis 2 Grad aus, haben wir mit unserem Thermometer gemessen.

Auch der Boden spielt eine wichtige Rolle für das Wärmeempfinden. Kalte Füße lassen einen den ganzen Körper frieren, selbst wenn die Raumtemperatur eigentlich ausreichend ist. Wir haben in Wohnzimmer und Schlafzimmer dicke Teppiche ausgelegt. Nicht überall, aber strategisch dort, wo wir uns oft aufhalten – vor dem Sofa, neben dem Bett, unter dem Esstisch. Die Teppiche isolieren nicht nur gegen die Kälte von unten, sie speichern auch Wärme und geben sie langsam wieder ab. Außerdem dämpfen sie Geräusche – die Nachbarn unter uns haben sich seitdem nicht mehr beschwert, wenn Klaus morgens um sechs seine Sportroutine macht.

Die dritte Woche war die Woche der kleinen Tricks und großen Erkenntnisse. Wir hatten mittlerweile ein Gefühl dafür entwickelt, wie unsere Wohnung thermisch funktioniert. Jetzt ging es um die Feinheiten. Klaus hatte sich ein Hygrometer gekauft – ein Gerät, das die Luftfeuchtigkeit misst. „Schon wieder ein neues Messgerät?", fragte ich, aber er hatte recht. Die Luftfeuchtigkeit beeinflusst massiv, wie warm oder kalt wir einen Raum empfinden.

Die optimale Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 40 und 60 Prozent. Darunter wird die Luft zu trocken – man bekommt trockene Haut, die Schleimhäute leiden, und interessanterweise fühlt sich trockene Luft kälter an als feuchte. Darüber wird es ungemütlich schwül, und es besteht Schimmelgefahr. Unser Hygrometer zeigte im Wohnzimmer 35 Prozent – viel zu trocken. Die Lösung war einfach: Wir stellten Wasserschalen auf die Heizkörper und hängten nasse Handtücher über einen Wäscheständer im Raum. Die Luftfeuchtigkeit stieg auf angenehme 45 Prozent, und tatsächlich fühlte sich der Raum bei gleicher Temperatur wärmer an.

Das Lüften wurde zu einer Wissenschaft für sich. Früher hatten wir die Fenster oft stundenlang gekippt – „für frische Luft", dachten wir. Was für eine Energieverschwendung! Gekippte Fenster sorgen kaum für Luftaustausch, kühlen aber die Wände aus. Viel besser: Stoßlüften. Alle Fenster für fünf bis zehn Minuten komplett auf, am besten mit Durchzug. Die verbrauchte Luft wird schnell ausgetauscht, die Wände bleiben warm. Wir lüften jetzt dreimal am Tag – morgens nach dem Aufstehen, mittags und abends vor dem Schlafengehen. Die Thermometer zeigen: Die Temperatur sinkt beim Stoßlüften nur kurz um 2 bis 3 Grad und ist nach zehn Minuten wieder auf dem alten Niveau. Beim Dauerkippen waren es dauerhaft 2 Grad weniger.

Ein besonderer Trick, den wir von Klaus' Kollegen gelernt haben: Die Restwärme vom Kochen nutzen. Nach dem Backen lassen wir die Ofentür offen stehen – die Wärme heizt die Küche noch eine Stunde lang. Nach dem Duschen lassen wir die Badezimmertür offen, damit die Wärme und Feuchtigkeit in die Wohnung ziehen kann (natürlich nur, wenn die Luftfeuchtigkeit nicht schon zu hoch ist). Sogar die Abwärme von Elektrogeräten trägt zur Raumtemperatur bei. Unser Computer im Arbeitszimmer ist praktisch eine kleine Heizung – wenn Klaus länger arbeitet, können wir den Heizkörper dort komplett ausschalten.

Die Körperwärme nicht zu unterschätzen, haben wir auch gelernt. Wenn wir Besuch haben und sechs Leute im Wohnzimmer sitzen, steigt die Temperatur merklich an. Jeder Mensch gibt etwa 100 Watt Wärme ab – sechs Personen entsprechen also einem kleinen Heizkörper. Bei unserer letzten Dinnerparty haben wir die Heizung im Wohnzimmer komplett ausgemacht, und trotzdem war es mollig warm.

Bewegung hilft auch. Klingt banal, ist aber effektiv. Wer den ganzen Tag nur auf dem Sofa sitzt, friert schneller. Wir haben angefangen, jede Stunde kurz aufzustehen, ein paar Kniebeugen zu machen oder eine Runde durch die Wohnung zu gehen. Der Kreislauf kommt in Schwung, die Durchblutung verbessert sich, und schon fühlen sich 19 Grad völlig ausreichend an. Klaus macht morgens sogar seine Gymnastik im 16 Grad kalten Schlafzimmer – nach zehn Minuten ist ihm warm genug für eine kalte Dusche. Ich halte ihn für verrückt, aber er schwört darauf.

Warme Getränke sind unser neuer bester Freund geworden. Eine Tasse heißer Tee oder Kaffee wärmt von innen und das Gefühl hält erstaunlich lange an. Wir haben uns eine Thermoskanne angeschafft und haben immer heißen Tee griffbereit. Besonders abends, wenn wir auf dem Sofa sitzen und lesen, ist das gemütlicher als die Heizung hochzudrehen. Apropos Sofa: Eine gute Kuscheldecke ist Gold wert. Wir haben in zwei richtig hochwertige Wolldecken investiert – teuer, aber jeden Cent wert. Darunter ist es so warm, dass wir die Heizung abends oft ganz ausschalten können.

Die Wärmflasche erlebt bei uns eine Renaissance. Früher nur bei Bauchschmerzen im Einsatz, ist sie jetzt unser Bettwärmer. Zehn Minuten vor dem Schlafengehen kommt sie ins Bett, und wenn wir uns hinlegen, ist es herrlich warm. Das kalte Bett war immer der Grund, warum wir das Schlafzimmer heizen wollten. Mit der Wärmflasche ist das kein Thema mehr. Klaus bevorzugt übrigens ein Kirschkernkissen – das speichert die Wärme anders, nicht so intensiv, dafür länger.

In der vierten Woche ging es ans Eingemachte – wir wollten sehen, wie tief wir gehen können. Die Challenge: Eine ganze Woche bei maximal 19 Grad in allen Räumen (außer dem Bad, da blieben wir bei 21 Grad – irgendwo hört der Spaß auf). Die ersten beiden Tage waren hart, das gebe ich zu. Besonders abends, wenn man müde auf dem Sofa sitzt und der Körper zur Ruhe kommt, haben wir gefroren. Aber wir haben nicht aufgegeben.

Die Lösung war, unseren Tagesrhythmus anzupassen. Statt bis Mitternacht im kalten Wohnzimmer zu sitzen, gingen wir früher ins Bett – unter der warmen Decke war es sowieso gemütlicher. Morgens standen wir dafür früher auf und nutzten die Zeit für Bewegung. Klaus joggte, ich machte Yoga. Danach fühlten sich 19 Grad fast zu warm an.

Wir entdeckten auch die Zoneneinteilung neu. Nicht jeder Raum muss gleich warm sein. Das Schlafzimmer: 16 Grad. Der Flur: 17 Grad reichen völlig. Die Küche: 18 Grad, wird durchs Kochen sowieso wärmer. Nur im Wohnzimmer, wo wir uns abends aufhalten, und im Bad halten wir 20 bis 21 Grad. Diese unterschiedlichen Temperaturen zu akzeptieren war eine Umstellung. Früher wollten wir überall gleich warm haben. Heute wissen wir: Das ist Verschwendung.

Ein wichtiger Punkt, den wir erst spät verstanden haben: Türen zu! Zwischen unterschiedlich temperierten Räumen sollten die Türen geschlossen bleiben. Sonst mischt sich die warme und kalte Luft, und die Heizung muss mehr arbeiten. Besonders wichtig ist das zwischen beheizten und unbeheizten Räumen. Unser Abstellraum wird gar nicht geheizt – die Tür bleibt immer zu. Gleiches gilt fürs Schlafzimmer tagsüber.

Die Sache mit der Kondensation haben wir auch erst durch Probieren verstanden. Wenn warme, feuchte Luft auf kalte Oberflächen trifft, kondensiert das Wasser. Das passierte bei uns am Schlafzimmerfenster – trotz nur 16 Grad Raumtemperatur beschlugen die Scheiben von innen. Der Grund: Die Luftfeuchtigkeit war zu hoch. Wir hatten die Tür zum wärmeren Flur offen gelassen, und die feuchtwarme Luft zog ins kalte Schlafzimmer. Lösung: Tür zu und öfter lüften. Seitdem keine Probleme mehr.

Ein Punkt, der oft unterschätzt wird: psychologische Wärme. Ein Raum kann sich warm anfühlen, ohne dass die Temperatur hoch ist. Warme Farben, weiches Licht, kuschelige Textilien – all das trägt zum Wärmeempfinden bei. Wir haben unsere Wohnung gemütlicher gemacht. Orangefarbene Kissenbezüge, eine zusätzliche Stehlampe mit warmweißem Licht, ein flauschiger Teppich vor dem Sofa. Der Raum wirkt wärmer, obwohl das Thermometer das Gleiche anzeigt.

Die Ernährung spielt auch eine Rolle. Warme, deftige Mahlzeiten heizen von innen. Wir kochen jetzt öfter Eintöpfe, Suppen, scharfe Currys. Ingwertee ist unser neues Lieblingsgetränk – er wärmt nachhaltig. Kalte Speisen und Getränke meiden wir abends. Der Körper muss Energie aufwenden, um sie auf Körpertemperatur zu bringen. Diese Energie fehlt dann beim Wärmehaushalt.

Nach vier Wochen haben wir Bilanz gezogen. Das Thermometer im Wohnzimmer zeigt konstant 19 Grad, manchmal 20. Im Schlafzimmer sind es 16 Grad, im Bad 21. Und wir frieren nicht! Im Gegenteil – wir fühlen uns fitter und wacher. Klaus schläft besser im kühlen Schlafzimmer, ich habe weniger trockene Haut seit die Luftfeuchtigkeit stimmt.

Die Liste unserer Maßnahmen liest sich lang, aber die meisten Sachen sind einmal eingestellt und laufen dann von selbst. Thermostate richtig einstellen, hydraulischer Abgleich machen lassen, regelmäßig entlüften, Möbel richtig stellen, Rollläden nutzen, Stoßlüften statt Kipplüften, Luftfeuchtigkeit im Blick behalten, Restwärme nutzen, warm anziehen, bewegen, Türen schließen, gemütlich einrichten – das klingt nach viel, ist aber schnell zur Routine geworden.

Was hat es gebracht? Die Gasrechnung ist noch nicht da, aber unser Zählerstand verrät es: 30 Prozent weniger Verbrauch als im Vorjahreszeitraum. Bei den aktuellen Preisen macht das etwa 60 Euro im Monat. Aufs Jahr gerechnet 720 Euro. Dafür können wir nächstes Jahr wieder nach Kroatien fahren.

Aber es geht uns nicht nur ums Geld. Es fühlt sich gut an, bewusster zu heizen. Wir verschwenden keine Energie mehr, nur weil wir zu faul sind, einen Pullover anzuziehen. Wir haben gelernt, mit den Jahreszeiten zu leben statt gegen sie anzuheizen. Im Winter ist es normal, dass es kühler ist. Man muss nicht im T-Shirt in der Wohnung rumlaufen können.

Die größte Erkenntnis: Komfort ist relativ. Was sich anfangs kalt anfühlte, ist heute normal. Der Körper gewöhnt sich erstaunlich schnell an neue Temperaturen. Nach einer Woche bei 19 Grad kam ich zu einer Freundin, die auf 24 Grad heizt. Es war unerträglich! Ich habe geschwitzt und bekam Kopfschmerzen. Früher hätte ich das als angenehm warm empfunden.

Wir haben auch gemerkt, dass wir uns mehr bewegen seit wir weniger heizen. Statt träge auf dem Sofa zu hängen, sind wir aktiver. Wir gehen öfter spazieren, machen mehr Sport, sind produktiver. Die kühlere Temperatur hält wach. Klaus sagt, er kann sich besser konzentrieren beim Arbeiten. Ich schlafe definitiv besser im kühlen Schlafzimmer.

Ein unerwarteter Nebeneffekt: Wir sind seltener erkältet. Die trockene Heizungsluft macht die Schleimhäute anfällig für Viren. Seit wir weniger heizen und auf die Luftfeuchtigkeit achten, hatten wir keine einzige Erkältung. Zufall? Vielleicht. Aber es passt ins Bild.

Die sozialen Reaktionen waren gemischt. Manche Freunde finden uns verrückt. „19 Grad? Ich würde erfrieren!" Andere sind neugierig und wollen wissen, wie wir das machen. Wir haben schon mehreren Freunden beim Thermostate-Einstellen geholfen und Tipps zum richtigen Lüften gegeben. Meine Schwester hat sich nach unserem Besuch auch ein Hygrometer gekauft und war erschrocken, wie trocken ihre Luft war.

Es gibt natürlich auch Tage, an denen wir schwach werden. Wenn man krank ist oder einfach einen schlechten Tag hat, drehen wir die Heizung auch mal höher. Das ist okay. Es geht nicht darum, sich zu kasteien. Es geht darum, bewusst zu heizen und Verschwendung zu vermeiden.

Was würden wir anders machen, wenn wir nochmal anfangen würden? Den hydraulischen Abgleich hätten wir gleich zu Beginn machen lassen sollen. Das hätte uns viele Experimente erspart. Und wir hätten früher in gute Wollpullover und Hausschuhe investiert. Die machen einen riesigen Unterschied im Wärmeempfinden.

Für alle, die es auch probieren wollen, hier unsere wichtigsten Tipps kompakt zusammengefasst: Fangt langsam an, gebt eurem Körper Zeit sich anzupassen. Messt die Temperatur in verschiedenen Räumen, dann wisst ihr, wo ihr ansetzen könnt. Investiert in ein Hygrometer – die Luftfeuchtigkeit ist genauso wichtig wie die Temperatur. Macht den hydraulischen Abgleich, wenn eure Heizkörper unterschiedlich warm werden. Entlüftet regelmäßig, besonders zu Beginn der Heizperiode. Nutzt Rollläden und Vorhänge als zusätzliche Isolation. Stoßlüftet statt Dauerkipp. Achtet auf die Möbelposition – nichts vor die Heizkörper stellen. Zieht euch warm an – gute Hausschuhe sind die halbe Miete. Bewegt euch regelmäßig, das hält warm. Nutzt Wärmflaschen und Kuscheldecken. Trinkt warme Getränke. Heizt nur die Räume, in denen ihr euch aufhaltet. Haltet Türen zwischen unterschiedlich temperierten Räumen geschlossen. Macht eure Wohnung gemütlich – psychologische Wärme ist real.

Und das Wichtigste: Habt Geduld mit euch selbst. Es ist eine Umstellung, und nicht jeder Tag wird perfekt sein. Aber es lohnt sich – fürs Portemonnaie, für die Umwelt und erstaunlicherweise auch fürs Wohlbefinden.

Heute, während ich das hier schreibe, zeigt das Thermometer 19,5 Grad. Ich sitze in meinem Lieblingspullover am Küchentisch, neben mir dampft eine Tasse Tee. Klaus werkelt nebenan und überlegt, ob wir nicht auch noch die Kellerdecke dämmen sollten – sein neues Projekt. Mir reicht es erstmal. Wir haben in vier Wochen mehr über Heizen und Energiesparen gelernt als in den zwanzig Jahren davor.

Und ehrlich? Es macht Spaß, die eigene Komfortzone zu erweitern. Zu merken, dass man mit weniger auskommt als gedacht. Dass 19 Grad nicht das Ende der Welt sind, sondern der Anfang eines bewussteren Lebens. Wir werden definitiv so weitermachen. Der nächste Winter kann kommen – wir sind bereit.

Falls ihr auch Erfahrungen mit dem Energiesparen gemacht habt oder Fragen zu unseren Experimenten habt, schreibt uns gerne. Wir freuen uns immer über Austausch am virtuellen Küchentisch. Und wenn ihr mehr von unseren Alltagsabenteuern lesen wollt, schaut euch mal unsere Beiträge über „Das große Ausmisten" oder „Einen Monat ohne Auto" an. Oder unsere Koch-Experimente mit dem Schnellkochtopf – auch eine erstaunliche Energiespar-Geschichte.

Bis zum nächsten Mal vom Küchentisch, Eure Maria und Klaus

P.S.: Die Gasrechnung ist gestern gekommen. Tatsächlich 35 Prozent weniger als letztes Jahr. Klaus hat zur Feier des Tages die Heizung auf 20 Grad gedreht. Für zehn Minuten. Dann war es uns zu warm.