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Versicherungen & Recht

3 Monate Frist, die dein Leben verändern kann – unsere Erfahrung mit der Nachversicherung nach der Geburt

by Winterberg 2025. 9. 25.

Nachversicherungsrecht: Wie wir nach der Geburt unseres Sohnes fast die wichtigste Versicherungschance verpasst hätten

Es war drei Uhr morgens, unser kleiner Max war gerade zwei Wochen alt, und während ich ihn stillte, scrollte mein Mann durch seine E-Mails. Plötzlich wurde er kreidebleich: "Schatz, wir haben nur noch vier Tage!" Die E-Mail seiner Berufsunfähigkeitsversicherung erinnerte ihn daran, dass die Frist für die Nachversicherung nach der Geburt unseres Kindes fast abgelaufen war. In diesem Moment wurde uns klar, wie schnell man im Chaos der ersten Babywochen wichtige Fristen vergessen kann. Was dann folgte, waren hektische Tage voller Telefonate, Formulare und der Erkenntnis, dass das Nachversicherungsrecht eine der genialsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Möglichkeiten im deutschen Versicherungswesen ist. Diese Geschichte und alles, was wir dabei über Nachversicherungsgarantien, Fristen und versteckte Fallstricke gelernt haben, möchten wir heute mit euch teilen.

Der Begriff Nachversicherungsrecht war uns vor der Schwangerschaft völlig fremd gewesen. Wir hatten unsere Versicherungen abgeschlossen, die Ordner ins Regal gestellt und das Thema gedanklich abgehakt. Erst bei einem Geburtsvorbereitungskurs erwähnte eine andere werdende Mutter beiläufig, dass sie gerade ihre Berufsunfähigkeitsversicherung erhöht hatte – ohne Gesundheitsprüfung, einfach wegen der Schwangerschaft. Wir schauten uns fragend an. Ohne Gesundheitsprüfung? Das klang zu gut, um wahr zu sein. Tatsächlich ist das Nachversicherungsrecht eine Art Joker, den viele Versicherungen ihren Kunden einräumen: Bei bestimmten Lebensereignissen wie Heirat, Geburt, Hausbau oder Gehaltserhöhung kann man seinen Versicherungsschutz erhöhen, ohne dass der aktuelle Gesundheitszustand überprüft wird. Das ist besonders wertvoll, wenn sich zwischenzeitlich gesundheitliche Probleme entwickelt haben, die eine normale Erhöhung unmöglich oder sehr teuer machen würden.

In unserem Fall war das besonders relevant, weil mein Mann zwei Jahre zuvor einen Bandscheibenvorfall hatte. Bei einer normalen Antragserhöhung hätte die Versicherung wahrscheinlich einen Risikozuschlag verlangt oder Wirbelsäulenerkrankungen komplett ausgeschlossen. Durch das Nachversicherungsrecht konnten wir seine BU-Rente von 1.500 auf 2.500 Euro erhöhen – ohne jegliche Gesundheitsfragen. Die monatliche Mehrprämie von 65 Euro war zwar spürbar, aber angesichts der neuen Verantwortung für Max absolut gerechtfertigt. Was uns niemand gesagt hatte: Die meisten Versicherungen limitieren die Erhöhung. Bei der BU sind es oft maximal 500 bis 1.000 Euro zusätzliche Monatsrente oder 50 Prozent der ursprünglichen Summe. Wir hätten gerne noch mehr erhöht, aber das war nicht möglich. Trotzdem war es ein enormer Gewinn, diese Erhöhung ohne Gesundheitsprüfung durchzubekommen.

Die Fristen für das Nachversicherungsrecht sind dabei der kritischste Punkt, wie wir schmerzlich lernen mussten. Die meisten Versicherungen geben einem drei bis sechs Monate Zeit nach dem auslösenden Ereignis. Bei manchen sind es sogar nur vier Wochen. Die Uhr tickt ab dem Tag des Ereignisses – bei einer Geburt also ab dem Geburtstag des Kindes, nicht ab dem Zeitpunkt, wo man wieder klar denken kann. Wir hatten bei der BU meines Mannes sechs Monate Zeit, haben es aber trotzdem fast verpasst. Bei meiner privaten Krankenversicherung waren es nur drei Monate, und diese Frist haben wir tatsächlich verstreichen lassen. Das ärgert mich bis heute, denn ich hätte gerne den Selbstbehalt reduziert, was ohne Gesundheitsprüfung möglich gewesen wäre. Jetzt müsste ich dafür einen kompletten Gesundheitscheck machen, und nach der Schwangerschaft mit Gestationsdiabetes würde das vermutlich teuer werden.

<table> <thead> <tr> <th>Lebensereignis</th> <th>Typische Frist</th> <th>Mögliche Anpassungen</th> <th>Wichtige Dokumente</th> </tr> </thead> <tbody> <tr> <td>Geburt eines Kindes</td> <td>3-6 Monate</td> <td>BU-Erhöhung, PKV-Anpassung, Risikoleben erhöhen</td> <td>Geburtsurkunde</td> </tr> <tr> <td>Heirat</td> <td>3-6 Monate</td> <td>Partner mitversichern, Summen anpassen</td> <td>Heiratsurkunde</td> </tr> <tr> <td>Hausbau/Immobilienkauf</td> <td>3-6 Monate</td> <td>Risikoleben, BU-Erhöhung</td> <td>Kaufvertrag, Darlehensvertrag</td> </tr> <tr> <td>Gehaltserhöhung (>10%)</td> <td>3 Monate</td> <td>BU-Rente anpassen</td> <td>Gehaltsnachweis</td> </tr> <tr> <td>Selbstständigkeit</td> <td>6 Monate</td> <td>BU anpassen, Rechtsschutz erweitern</td> <td>Gewerbeanmeldung</td> </tr> </tbody> </table>

Besonders komplex wurde es bei der privaten Krankenversicherung, wo das Nachversicherungsrecht ganz eigene Regeln hat. Für unseren kleinen Max mussten wir innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt die Kindernachversicherung beantragen. Der Vorteil: Kinder werden ohne Gesundheitsprüfung und ohne Wartezeiten in den Tarif der Eltern aufgenommen – selbst wenn sie mit gesundheitlichen Problemen geboren werden. Die Bedingung ist nur, dass mindestens ein Elternteil seit mindestens drei Monaten privat versichert ist. Was wir nicht wussten: Man kann das Kind auch in einen besseren Tarif versichern als den eigenen, solange es nicht teurer ist. Wir haben Max in einen Tarif mit besseren Leistungen bei Kieferorthopädie und Sehhilfen versichert, der durch sein junges Eintrittsalter sogar günstiger war als unser eigener Basistarif.

Die private Haftpflichtversicherung war dagegen erfreulich unkompliziert. Hier gilt meist: Ehepartner und Kinder sind automatisch mitversichert, sobald sie im gleichen Haushalt leben. Trotzdem haben wir unsere Versicherung informiert und gleichzeitig die Deckungssumme von 10 auf 15 Millionen Euro erhöht. Das kostete nur 8 Euro mehr im Jahr, gibt aber gerade mit kleinem Kind ein besseres Gefühl. Denn Kinder unter sieben Jahren sind deliktunfähig – wenn Max also beim Spielbesuch die teure Vase umwirft, müssten wir nur zahlen, wenn wir unsere Aufsichtspflicht verletzt haben. Die Versicherung prüft das und wehrt unberechtigte Ansprüche ab. Ohne ausreichende Deckung könnte das schnell ungemütlich werden.

Ein Thema, das uns völlig überrascht hat, war die Risikolebensversicherung und deren Nachversicherungsoptionen. Wir hatten beide vor Jahren kleine Policen abgeschlossen – mehr aus dem Gefühl heraus, dass man das so macht, als aus echter Überzeugung. Mit der Geburt von Max änderte sich das schlagartig. Plötzlich war da ein kleiner Mensch, der völlig von uns abhängig war. Was würde aus ihm werden, wenn uns etwas passiert? Meine Police hatte eine Nachversicherungsgarantie, die es mir erlaubte, die Versicherungssumme von 100.000 auf 300.000 Euro zu erhöhen – ohne Gesundheitsprüfung. Das war Gold wert, denn mit meiner Schilddrüsenerkrankung, die erst nach Abschluss der ursprünglichen Police diagnostiziert wurde, hätte ich sonst Probleme bekommen. Die Prämienerhöhung von 18 auf 42 Euro monatlich war verkraftbar und das beruhigende Gefühl unbezahlbar.

Bei meinem Mann war es komplizierter, weil seine alte Police keine Nachversicherungsgarantie hatte. Er musste eine komplett neue Risikolebensversicherung abschließen und dabei den Bandscheibenvorfall angeben. Das Ergebnis: Ein Risikozuschlag von 50 Prozent und der Ausschluss von Wirbelsäulenerkrankungen als Todesursache. Immerhin bekam er überhaupt eine Police. Wir haben daraus gelernt: Bei jeder neuen Versicherung achten wir jetzt penibel auf Nachversicherungsgarantien. Lieber zahlt man am Anfang ein paar Euro mehr für diese Option, als später in die Röhre zu schauen.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung mit ihren Nachversicherungsoptionen war für uns das wichtigste Thema, weil hier die Summen am höchsten sind und die gesundheitlichen Hürden bei Neuabschluss am größten. Wir hatten beide das Glück, unsere BU-Versicherungen in jungen Jahren abgeschlossen zu haben, als wir noch kerngesund waren. Damals erschienen uns die Nachversicherungsgarantien als überflüssiger Schnickschnack, für den man extra zahlt. Heute wissen wir: Das waren die am besten investierten Zusatz-Euros ever. Mein Mann konnte seine BU-Rente wie erwähnt trotz Bandscheibenvorfall erhöhen. Bei mir war es noch dramatischer: Zwei Jahre nach Abschluss wurde bei mir Hashimoto diagnostiziert, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Eine neue BU hätte ich danach nur noch mit massiven Ausschlüssen oder gar nicht mehr bekommen. Dank Nachversicherungsgarantie konnte ich nach der Geburt meine Rente von 1.200 auf 2.000 Euro erhöhen.

<table> <thead> <tr> <th>Versicherungsart</th> <th>Nachversicherung typisch möglich bei</th> <th>Maximale Erhöhung</th> <th>Besonderheiten</th> </tr> </thead> <tbody> <tr> <td>Berufsunfähigkeit</td> <td>Heirat, Geburt, Hausbau, Gehaltserhöhung</td> <td>50-100% der Ursprungssumme</td> <td>Oft Höchstgrenze (z.B. max. 3.000€ Monatsrente)</td> </tr> <tr> <td>Risikoleben</td> <td>Heirat, Geburt, Hausbau</td> <td>100% oder max. 250.000€</td> <td>Meist nur bis 45. Lebensjahr</td> </tr> <tr> <td>Private Krankenversicherung</td> <td>Statuswechsel, Geburt</td> <td>Tarifwechsel möglich</td> <td>Kindernachversicherung ohne Gesundheitsprüfung</td> </tr> <tr> <td>Unfallversicherung</td> <td>Heirat, Geburt, Berufswechsel</td> <td>Verdopplung möglich</td> <td>Gliedertaxe bleibt gleich</td> </tr> </tbody> </table>

Was uns niemand vorher gesagt hatte: Man muss die Nachversicherung aktiv beantragen. Die Versicherungen kommen nicht von selbst auf einen zu und sagen: "Hey, ihr habt ein Kind bekommen, wollt ihr nicht erhöhen?" Im Gegenteil, manche verstecken diese Option regelrecht in den Vertragsbedingungen. Wir mussten bei jeder einzelnen Versicherung anrufen, nach den genauen Bedingungen fragen und dann die richtigen Formulare anfordern. Bei manchen ging es online, bei anderen nur per Post. Einige wollten nur eine Kopie der Geburtsurkunde, andere verlangten zusätzlich eine Bestätigung des Arbeitgebers über das aktuelle Gehalt. Der bürokratische Aufwand ist nicht zu unterschätzen, besonders wenn man gerade mit einem Neugeborenen alle Hände voll zu tun hat.

Ein weiterer Aspekt, der uns überrascht hat: Die Nachversicherung gilt oft nur für "positive" Lebensereignisse. Eine Scheidung zum Beispiel löst kein Nachversicherungsrecht aus, obwohl sich der Versicherungsbedarf dadurch massiv ändern kann. Auch Krankheit oder Berufsunfähigkeit des Partners sind keine anerkannten Ereignisse. Das finden wir unlogisch, denn gerade dann bräuchte man oft mehr Schutz. Einige wenige Versicherer bieten inzwischen erweiterte Nachversicherungsgarantien an, die auch solche Situationen abdecken, aber das ist noch die Ausnahme. Wir haben bei unseren Neuabschlüssen darauf geachtet, möglichst flexible Bedingungen zu bekommen.

Die steuerlichen Aspekte der Nachversicherung haben wir anfangs völlig ignoriert, was ein Fehler war. Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung kann man als Vorsorgeaufwendungen von der Steuer absetzen, allerdings gibt es Höchstgrenzen. Durch die Erhöhung unserer BU-Prämien konnten wir mehr absetzen und haben effektiv etwa 30 Prozent der Mehrkosten vom Finanzamt zurückbekommen. Bei der Risikolebensversicherung ist es komplizierter: Die ist nur absetzbar, wenn sie zur Absicherung eines Kredits dient. Da wir aber ohnehin einen Immobilienkredit haben, konnten wir die erhöhte Police damit verknüpfen und steuerlich geltend machen. Solche Details machen am Ende einen erheblichen Unterschied bei den tatsächlichen Kosten.

Besonders ärgerlich war unsere Erfahrung mit der Rechtsschutzversicherung. Wir hatten eine Familienrechtsschutz, die automatisch unseren Sohn mitversichert. So weit, so gut. Was wir aber übersehen hatten: Die Nachversicherungsgarantie erlaubte es, bei Geburt eines Kindes zusätzliche Bausteine hinzuzufügen. Wir hätten ohne Wartezeit einen Berufsrechtsschutz für mich als frischgebackene Mutter hinzufügen können, was angesichts der Diskussionen mit meinem Arbeitgeber über Elternzeit und Teilzeit sehr hilfreich gewesen wäre. Als wir das drei Monate nach der Geburt merkten, war die Frist bereits abgelaufen. Jetzt müssten wir drei Monate Wartezeit in Kauf nehmen und könnten den Rechtsschutz für bereits bekannte Streitigkeiten nicht nutzen. Diese 89 Euro Jahresprämie hätten wir gerne früher investiert.

Ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Die Nachversicherung wirkt sich auf die gesamte Laufzeit aus. Wenn man mit 30 seine BU-Rente erhöht, zahlt man die höhere Prämie möglicherweise 37 Jahre lang bis zum Renteneintritt. Das summiert sich. Wir haben das durchgerechnet: Die Erhöhung meiner BU-Rente um 800 Euro kostet mich über die Gesamtlaufzeit etwa 18.000 Euro mehr an Prämien. Das klingt viel, aber im Leistungsfall würde ich jeden Monat 800 Euro mehr bekommen – bei einer durchschnittlichen BU-Dauer von 10 Jahren wären das 96.000 Euro. Die Rechnung geht also auf, besonders wenn man bedenkt, dass ich mit meiner Schilddrüsenerkrankung sonst gar keine Erhöhung mehr bekommen hätte.

Nach unserer Erfahrung mit dem Fast-Verpassen der BU-Nachversicherung haben wir ein System entwickelt, um keine Fristen mehr zu verschlafen. Wir haben einen digitalen Kalender angelegt, in dem alle wichtigen Versicherungsfristen eingetragen sind. Nicht nur Nachversicherungsfristen, sondern auch Kündigungsfristen, Zahlungstermine und Überprüfungszeitpunkte. Zusätzlich haben wir eine Excel-Tabelle mit allen Versicherungen, den jeweiligen Nachversicherungsoptionen und den auslösenden Ereignissen. Das mag übertrieben klingen, aber bei mittlerweile zwölf verschiedenen Versicherungen für unsere dreiköpfige Familie verliert man sonst schnell den Überblick.

Die Kommunikation mit den Versicherungen war dabei sehr unterschiedlich. Manche waren super hilfsbereit und haben uns durch den Prozess geführt. Der Berater meiner BU hat sogar proaktiv angerufen, als er von der Geburt erfahren hat, und mich an die Nachversicherungsoption erinnert. Andere Versicherer waren dagegen schwer zu erreichen und haben uns mit Formularen überschüttet. Bei der privaten Krankenversicherung meines Mannes mussten wir dreimal nachhaken, bis wir die richtigen Unterlagen bekommen haben. Am Ende hat alles geklappt, aber es war teilweise zäher als nötig.

Ein Aspekt, über den wir vorher nie nachgedacht hatten: Die Nachversicherung kann auch Einfluss auf Zusatzbausteine haben. Bei meiner BU konnte ich im Zuge der Erhöhung auch eine Pflegeoption hinzufügen, die bei Pflegebedürftigkeit zusätzlich zur BU-Rente greift. Das wäre normalerweise nur mit Gesundheitsprüfung möglich gewesen. Die zusätzlichen 12 Euro im Monat sind gut angelegt, finden wir. Bei der Unfallversicherung meines Mannes konnten wir die Progression von 350 auf 500 Prozent erhöhen, was bei schweren Unfällen einen enormen Unterschied macht. Solche Optimierungen sind oft nur im Rahmen der Nachversicherung möglich.

Später haben wir gemerkt, dass manche Versicherungen sehr kreativ bei der Definition von "Lebensereignissen" sind. Die BU meines Mannes erlaubt eine Nachversicherung auch bei Aufnahme eines Darlehens über 50.000 Euro. Da wir ohnehin über einen Hauskauf nachdenken, wäre das eine weitere Chance zur Erhöhung ohne Gesundheitsprüfung. Meine Unfallversicherung bietet Nachversicherung bei jedem runden Geburtstag (30, 40, 50...). Das ist praktisch, weil man es sich leicht merken kann. Andere Versicherer sind strenger und erlauben nur die klassischen Ereignisse wie Heirat und Geburt. Es lohnt sich, die Bedingungen genau zu studieren und auch mal nachzufragen, ob es Spielraum bei der Auslegung gibt.

Ganz ehrlich, am Anfang wussten wir das nicht, aber die Nachversicherung kann auch Nachteile haben. Die Prämien werden nämlich nicht nach dem ursprünglichen Eintrittsalter berechnet, sondern nach dem aktuellen Alter. Wenn ich mit 25 eine BU abgeschlossen habe und mit 35 nachversichere, zahle ich für den erhöhten Teil die Prämie einer 35-Jährigen. Das ist immer noch besser als eine komplett neue Versicherung, aber günstiger wäre es gewesen, von Anfang an höher zu versichern. Andererseits: Mit 25 hätten wir uns die hohen Prämien gar nicht leisten können. Es ist also ein Abwägen zwischen früh und günstig versus später und teurer, aber dafür flexibel.

Ein anderer Aspekt war die Frage, ob man die Nachversicherung immer voll ausschöpfen sollte. Unser Versicherungsberater meinte: "Nutzt die Chance, solange ihr gesund seid!" Das stimmt einerseits, andererseits muss man es sich auch leisten können. Wir haben uns für einen Mittelweg entschieden: Die wichtigsten Versicherungen (BU und Risikoleben) haben wir deutlich erhöht, bei anderen wie der Unfallversicherung nur moderat. Man kann die Nachversicherung auch splitten – also jetzt einen Teil erhöhen und bei der nächsten Gehaltserhöhung den Rest. Das gibt finanzielle Flexibilität, ohne die Option zu verspielen.

Die Dokumentation war ein Punkt, den wir unterschätzt hatten. Für die Nachversicherung braucht man Nachweise über das auslösende Ereignis. Bei der Geburt ist das einfach – Geburtsurkunde, fertig. Bei einer Gehaltserhöhung wird es schon komplizierter. Reicht die Gehaltsabrechnung? Braucht man eine Bestätigung vom Arbeitgeber? Zählen Bonuszahlungen mit? Jede Versicherung hat da eigene Anforderungen. Wir haben gelernt: Lieber ein Dokument zu viel einreichen als zu wenig. Und alles kopieren und abheften – man weiß nie, wann man es nochmal braucht.

Oft wurden wir gefragt, ob sich das Nachversicherungsrecht überhaupt lohnt oder ob das nur ein Verkaufsargument der Versicherer ist. Unsere klare Antwort: Es lohnt sich definitiv, wenn man es richtig nutzt. Der Clou ist die Umgehung der Gesundheitsprüfung. Selbst völlig gesunde Menschen können plötzlich eine Diagnose bekommen, die neue Versicherungen unmöglich oder unbezahlbar macht. Das Nachversicherungsrecht ist wie eine Versicherung für die Versicherung. Man zahlt etwas mehr für die Option, hofft aber, sie nie wegen Krankheit zu brauchen, sondern nur wegen positiver Lebensereignisse. Bei uns hat es sich schon mehrfach ausgezahlt, und wir sind froh, diese Optionen in unseren Verträgen zu haben.

Eine typische Frage war auch, ob man das Nachversicherungsrecht mehrfach nutzen kann. Die gute Nachricht: Ja, in der Regel schon. Die meisten Versicherungen erlauben mehrere Nachversicherungen im Laufe der Vertragslaufzeit. Manche begrenzen es auf drei oder fünf Ereignisse, andere haben keine Obergrenze. Allerdings gibt es meist eine absolute Höchstgrenze für die Versicherungssumme. Bei der BU sind das oft 3.000 oder 3.500 Euro Monatsrente. Wenn man die erreicht hat, ist Schluss mit Nachversicherung. Wir planen schon jetzt strategisch: Beim nächsten Kind (falls es eines gibt) würden wir wieder erhöhen, und wenn mein Mann befördert wird und sein Gehalt um mehr als 10 Prozent steigt, auch. So nutzt man die Optionen optimal aus.

Wir haben uns selbst lange gefragt, was passiert, wenn man bei der Nachversicherung mogelt. Was, wenn man eine Gehaltserhöhung angibt, die es gar nicht gab? Oder ein Kind, das nicht existiert? Die Antwort ist eindeutig: Das ist Versicherungsbetrug und kann richtig teuer werden. Die Versicherung kann den Vertrag kündigen, bereits gezahlte Leistungen zurückfordern und Strafanzeige erstatten. Außerdem wird man in eine schwarze Liste eingetragen und bekommt nie wieder eine Versicherung. Das Risiko ist es absolut nicht wert. Die Versicherungen prüfen auch nach – spätestens im Leistungsfall wollen sie Belege sehen. Also: Immer bei der Wahrheit bleiben, auch wenn die Versuchung groß sein mag.

Ganz ehrlich, am Anfang wussten wir das nicht, aber manche Versicherungen bieten auch eine Nachversicherung ohne besonderes Ereignis an. Das nennt sich dann "Optionsrecht" oder "garantierte Rentensteigerung". Einmal im Jahr oder alle paar Jahre kann man erhöhen, ohne dass etwas Besonderes passiert sein muss. Die Erhöhung ist meist geringer als bei der ereignisbezogenen Nachversicherung, aber dafür regelmäßig möglich. Wir haben das bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung, wo wir jedes Jahr um bis zu 10 Prozent erhöhen können. Das nutzen wir, um die Inflation auszugleichen. Solche Optionen sind selten und meist teurer, aber für Menschen ohne klassische Lebensereignisse (keine Heirat, keine Kinder) eine gute Alternative.

Eine weitere häufige Frage war, ob man die Nachversicherung auch nutzen kann, um die Versicherung zu verbessern statt nur zu erhöhen. Das ist leider meist nicht möglich. Man kann die Summe erhöhen, aber nicht die Bedingungen ändern. Wenn die BU also Psyche ausschließt, bleibt das auch nach der Nachversicherung so. Es gibt wenige Ausnahmen: Bei manchen privaten Krankenversicherungen kann man im Rahmen der Nachversicherung in einen besseren Tarif wechseln. Und bei einigen Unfallversicherungen kann man zusätzliche Bausteine hinzufügen. Aber generell gilt: Die Nachversicherung erhöht den Umfang, nicht die Qualität des Schutzes. Deshalb ist es so wichtig, von Anfang an einen guten Vertrag zu wählen.

Viele Freunde haben uns auch gefragt, ob das Nachversicherungsrecht vererbt werden kann. Die Frage mag seltsam klingen, aber sie ist berechtigt. Was passiert, wenn der Versicherungsnehmer stirbt? Kann der Ehepartner die Versicherung übernehmen und das Nachversicherungsrecht nutzen? Die Antwort ist komplex und hängt von der Versicherungsart ab. Bei der Risikolebensversicherung erlischt der Vertrag mit dem Tod – logisch. Bei der BU kann der Ehepartner den Vertrag manchmal übernehmen, aber das Nachversicherungsrecht erlischt meist. Bei der privaten Krankenversicherung können Kinder in den Vertrag des verstorbenen Elternteils wechseln, aber auch hier ohne Nachversicherungsrecht. Es ist also kein vererbbares Recht, sondern personengebunden.

Ein Punkt, der uns selbst überrascht hat: Die Nachversicherungsgarantie kostet extra, aber nicht bei allen Versicherungen gleich viel. Bei manchen ist es nur ein minimaler Aufschlag von 2-3 Prozent, bei anderen sind es 10 Prozent oder mehr. Wir haben das bei Vertragsabschluss nicht verglichen und ärgern uns heute darüber. Bei der BU meines Mannes zahlen wir 8 Euro im Monat extra für die Nachversicherungsgarantie – das sind fast 100 Euro im Jahr. Bei mir sind es nur 3 Euro monatlich für die gleiche Option. Der Unterschied? Unterschiedliche Versicherer, unterschiedliche Kalkulationen. Heute würden wir das genauer vergleichen und in die Entscheidung einbeziehen.

Nach zwei Jahren als Familie können wir sagen: Das Nachversicherungsrecht war für uns ein Segen. Ohne diese Option hätten wir unseren Versicherungsschutz nicht adäquat an unsere neue Lebenssituation anpassen können. Die Mehrkosten von insgesamt etwa 150 Euro monatlich für alle Erhöhungen sind spürbar, aber vertretbar. Dafür haben wir die Gewissheit, dass Max abgesichert ist, falls uns etwas passiert. Die wichtigste Lehre für uns war: Man muss proaktiv sein. Die Versicherungen erinnern einen selten an die Nachversicherungsoptionen. Man muss selbst dran denken, die Fristen im Blick behalten und rechtzeitig handeln. Ein bisschen Organisation und Planung, und man kann diese wertvollen Optionen optimal nutzen. Für alle, die vor ähnlichen Lebensereignissen stehen: Checkt eure Versicherungsverträge, markiert euch die Fristen rot im Kalender und nutzt die Chance. Es könnte die letzte Möglichkeit sein, euren Versicherungsschutz ohne Gesundheitsprüfung zu verbessern.

Für weitere Geschichten aus unserem Familienalltag, praktische Versicherungstipps und ehrliche Erfahrungsberichte schaut gerne regelmäßig hier am digitalen Küchentisch vorbei. Wir teilen unsere Höhen und Tiefen, unsere Fehler und Erfolge, damit ihr daraus lernen könnt. Denn das Leben ist zu kurz, um alle Fehler selbst zu machen, und zu wertvoll, um unterversichert zu sein.