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Wohnen & Alltagstipps

Billiger Strom vom Dach? Die schockierende Wahrheit über Mieterstrom-Verträge

by Winterberg 2025. 9. 25.

Letzte Woche saßen wir mit unseren Nachbarn Sabine und Markus beim Abendessen zusammen, als das Thema wieder aufkam. „Habt ihr schon unterschrieben?", fragte Sabine und schob uns einen dicken Stapel Papiere über den Tisch. Mieterstrom-Vertrag stand drauf, zwanzig Seiten klein gedrucktes Zeug. Thomas und ich schauten uns an. Seit drei Monaten geisterte dieses Thema durch unser Mietshaus – Solaranlage aufs Dach, günstiger Strom für alle, Energiewende und so weiter. Klingt super, dachten wir anfangs. Bis wir anfingen, uns wirklich damit zu beschäftigen.

Die ganze Geschichte begann eigentlich schon vor einem Jahr, als unser Vermieter, Herr Brenner, bei der jährlichen Eigentümerversammlung verkündete, er wolle was für die Umwelt tun. Und nebenbei die Immobilie aufwerten. Eine Photovoltaikanlage sollte aufs Dach, 120 Module, genug Strom für alle 24 Wohnungen im Haus. „Sie können dann direkt vom Dach kaufen", hatte er gesagt, „günstiger als vom Energieversorger." Das klang verlockend. 28 Cent pro Kilowattstunde statt 34 Cent beim lokalen Stromanbieter. Bei unserem Jahresverbrauch von 3.200 Kilowattstunden würden wir fast 200 Euro im Jahr sparen.

Aber wie das so ist mit verlockenden Angeboten – der Teufel steckt im Detail. Und davon gab es reichlich. Als erstes mussten wir verstehen, was Mieterstrom überhaupt ist. Im Grunde ist es simpel: Der Vermieter oder ein Dienstleister installiert eine Solaranlage auf dem Dach. Der produzierte Strom wird direkt an die Mieter verkauft, ohne Umweg über das öffentliche Netz. Dadurch fallen keine Netzentgelte an, was den Strom theoretisch günstiger macht. Praktisch ist es komplizierter. Der Strom vom Dach reicht natürlich nicht immer – nachts scheint keine Sonne, im Winter weniger als im Sommer. Dann muss zusätzlicher Strom aus dem Netz bezogen werden. Und wenn die Solaranlage mehr produziert als verbraucht wird? Der Überschuss wird ins Netz eingespeist und vergütet.

Thomas hat sich die Mühe gemacht und mal durchgerechnet, was das für uns bedeuten würde. An einem sonnigen Sommertag produziert so eine Anlage locker 500 Kilowattstunden. Klingt viel, verteilt sich aber auf 24 Wohnungen. Macht gut 20 Kilowattstunden pro Wohnung – wenn alle mitmachen. Unser Tagesverbrauch liegt bei etwa 8 bis 10 Kilowattstunden. Passt also theoretisch. Aber: Die meiste Energie wird mittags produziert, wenn wir auf der Arbeit sind. Abends, wenn wir kochen, fernsehen, die Waschmaschine läuft, kommt kaum noch was vom Dach. Im Jahresschnitt würden wir vielleicht 30 bis 40 Prozent unseres Stroms direkt von der Solaranlage beziehen. Der Rest käme weiterhin aus dem Netz – zum normalen Tarif des Mieterstrom-Anbieters.

Die rechtliche Seite hat uns dann vollends verwirrt. Mieterstrom wird seit 2017 staatlich gefördert, aber die Regularien sind ein Dschungel. Der Vermieter darf den Strom nicht selbst verkaufen, sonst wird er zum Energieversorger mit allen steuerlichen Konsequenzen. Also braucht es einen Dienstleister. Bei uns ist das die „SonnenStrom GmbH", ein Unternehmen, das sich auf Mieterstrom spezialisiert hat. Die pachten die Dachfläche, installieren die Anlage, verkaufen den Strom. Klingt einfach, ist aber ein Dreiecksverhältnis, das Fragen aufwirft. Was passiert, wenn die Firma pleitegeht? Wer ist zuständig bei Problemen? Können wir einfach wieder wechseln, wenn es uns nicht gefällt?

Unsere Nachbarin aus dem dritten Stock, Frau Petersen, sie ist Rechtsanwältin, hat sich den Vertrag genauer angeschaut. „Vorsicht bei der Kündigungsfrist", meinte sie. Zwei Jahre Mindestvertragslaufzeit, danach jährliche Verlängerung. Kündigung nur mit drei Monaten Vorlauf. Und das Kleingedruckte: Bei vorzeitiger Kündigung können Kosten für die Zählerumstellung anfallen. Wie hoch? Steht nicht drin. „Das kann teuer werden", warnte Frau Petersen.

Die Preisgestaltung ist auch so eine Sache. Ja, die 28 Cent pro Kilowattstunde für den Solarstrom sind garantiert – für zwei Jahre. Danach? Kann angepasst werden. Wie stark? Der Vertrag sagt nur: „marktüblich". Was das heißt, weiß keiner. Theoretisch ist der Mieterstrompreis gesetzlich gedeckelt. Er darf maximal 90 Prozent des örtlichen Grundversorgertarifs betragen. Klingt gut, aber der Grundversorgertarif ist meist der teuerste am Markt. Wir zahlen aktuell bei unserem Ökostromanbieter 32 Cent – also weniger als die erlaubten 90 Prozent der Grundversorgung, die bei 38 Cent liegt.

Dann kam die Sache mit dem Stromzähler. Für Mieterstrom braucht man einen speziellen Zweirichtungszähler oder sogar ein Smart Meter. Kostenpunkt: 100 bis 200 Euro Umrüstung plus höhere jährliche Gebühren. Wer zahlt das? Im Vertrag steht: der Kunde. Also wir. Die Ersparnis vom ersten Jahr wäre damit schon mal weg.

Die Abrechnung ist ein Kapitel für sich. Statt einer Stromrechnung bekommen wir künftig zwei: eine für den Solarstrom, eine für den Zusatzstrom aus dem Netz. Mit unterschiedlichen Preisen, unterschiedlichen Abrechnungszeiträumen. Sabines Schwester wohnt in München in einem Haus mit Mieterstrom. „Ein Chaos", sagt sie. „Ich blicke nicht mehr durch, was ich wofür zahle." Sie hat mal nachgerechnet: Unterm Strich zahlt sie sogar 50 Euro mehr im Jahr als vorher. Wie das? Die Grundgebühr ist höher, die Zählermiete teurer, und der Eigenverbrauch vom Dach ist geringer als versprochen.

Das mit dem Eigenverbrauch ist überhaupt so eine Sache. Je mehr Mieter mitmachen, desto weniger Solarstrom bekommt der Einzelne ab. Klingt logisch, wird aber selten kommuniziert. In unserem Haus haben sich bisher 15 von 24 Mietern für den Mieterstrom interessiert. Wenn alle unterschreiben, bekommt jeder nur noch einen kleinen Teil vom Dachstrom. Wenn nur wenige mitmachen, lohnt sich die Anlage für den Betreiber nicht. Ein klassisches Dilemma.

Wir haben uns dann mal in anderen Städten umgehört. In Berlin gibt es einige Vorzeigeprojekte, wo Mieterstrom super funktioniert. Große Wohnblöcke mit 100 oder mehr Wohnungen, professionelles Management, transparente Abrechnung. Die Mieter sparen tatsächlich 10 bis 15 Prozent ihrer Stromkosten. Aber das sind Ausnahmen. Die meisten kleinen und mittleren Projekte kämpfen mit Problemen. Zu geringe Teilnehmerzahl, zu hohe Verwaltungskosten, zu wenig Transparenz.

Ein interessanter Aspekt, den wir erst spät entdeckt haben: die Förderung. Mieterstrom wird vom Staat mit etwa 3 Cent pro Kilowattstunde gefördert. Klingt nicht viel, summiert sich aber. Bei einer Anlage, die 100.000 Kilowattstunden im Jahr produziert, sind das 3.000 Euro Förderung. Die Frage ist: Wer profitiert davon? Der Betreiber? Der Vermieter? Oder wir Mieter? Im Vertrag steht dazu nichts Konkretes. Die Förderung fließt an den Anlagenbetreiber, der damit seine Kosten deckt und den Strompreis kalkuliert. Ob und wie viel davon bei uns ankommt? Unklar.

Thomas hat mal ausgerechnet, was die Anlage auf unserem Dach kosten würde. 120 Module à 400 Watt macht 48 Kilowatt Leistung. Kostenpunkt: etwa 80.000 Euro inklusive Installation. Dazu kommen Wartung, Versicherung, Verwaltung. Der Betreiber muss das über 20 Jahre refinanzieren. Bei 24 Wohnungen und durchschnittlich 30 Prozent Eigenverbrauch vom Dach... die Rechnung geht knapp auf. Kein Wunder, dass die Margen dünn sind und jeder Cent zählt.

Die technische Seite ist auch nicht ohne. Eine Solaranlage auf dem Dach bedeutet Bauarbeiten. Löcher für die Befestigung, Kabel durch Schächte, Wechselrichter im Keller. Was, wenn dabei was schiefgeht? Wasserschaden durchs Dach? Störungen in der Hauselektrik? Unser Vermieter versichert, alles sei versichert und abgesichert. Aber wer schon mal einen Wasserschaden hatte, weiß: Die Praxis sieht oft anders aus als die Theorie.

Dann ist da noch die Sache mit dem Klimaschutz. Klar, Solarstrom ist sauber. Aber ist Mieterstrom wirklich die beste Lösung? Eine Bekannte, die bei den Stadtwerken arbeitet, meinte: „Für das gleiche Geld könnten viel größere Solarparks gebaut werden. Die produzieren mehr Strom, effizienter und günstiger." Mieterstrom sei eher ein politisches Projekt – Energiewende zum Anfassen, Beteiligung der Bürger. Ob es ökonomisch und ökologisch optimal ist? Fraglich.

Wir haben auch mit Mietern gesprochen, die schon länger Mieterstrom beziehen. Die Erfahrungen sind gemischt. Familie Weber aus dem Nachbarhaus ist zufrieden. „Wir sparen 150 Euro im Jahr, die Abrechnung klappt, alles gut." Aber die Webers sind auch unkompliziert, haben einen niedrigen Verbrauch und sind viel zu Hause – können also den Mittagsstrom nutzen. Anders bei Familie Chen, beide berufstätig, zwei Teenager. „Wir merken kaum einen Unterschied. Der meiste Solarstrom wird produziert, wenn keiner da ist. Abends und morgens, wenn wir Strom brauchen, kommt er aus dem Netz."

Das Timing ist wirklich entscheidend. Wer von zu Hause arbeitet, kann die Waschmaschine mittags laufen lassen, wenn die Sonne scheint. Wer nur abends und am Wochenende da ist, hat weniger davon. Wir haben mal eine Woche lang unseren Stromverbrauch dokumentiert. Ergebnis: 70 Prozent unseres Verbrauchs fällt zwischen 18 und 22 Uhr an. Also genau dann, wenn die Solaranlage wenig oder nichts liefert.

Speicher wären eine Lösung. Batterien im Keller, die den Mittagsstrom für abends speichern. Technisch machbar, aber teuer. Ein Speicher für unser Haus würde nochmal 100.000 Euro kosten. Das rechnet sich nicht, sagt der Betreiber. Also bleibt es beim direkten Verbrauch oder Einspeisung ins Netz.

Die Transparenz ist ein weiteres Thema. Woher weiß ich, wie viel Solarstrom ich wirklich bekomme? Der Betreiber verspricht eine App, in der wir unseren Verbrauch und die Herkunft des Stroms sehen können. In Echtzeit. Klingt toll. Aber was, wenn die App nicht funktioniert? Wenn die Daten nicht stimmen? Bei Sabines Schwester in München gibt es die App seit zwei Jahren. „Funktioniert hat sie vielleicht drei Monate", sagt sie. Seitdem: Fehlanzeige. Beschwerden verhallen, der Support vertröstet.

Auch die soziale Dynamik im Haus spielt eine Rolle. Wenn nur die Hälfte mitmacht, gibt es schnell zwei Lager. Die Mieterstrom-Befürworter, die sich als Umweltschützer sehen. Und die Skeptiker, die als Bremser gelten. Bei uns im Haus ist die Stimmung schon jetzt angespannt. „Warum macht ihr nicht mit?", fragte uns neulich jemand im Treppenhaus. „Ist euch die Umwelt egal?" Schwierig zu erklären, dass es nicht um die Umwelt geht, sondern um Vertragsbedingungen und wirtschaftliche Überlegungen.

Herr Brenner, unser Vermieter, macht auch Druck. Subtil, aber spürbar. „Wäre schön, wenn alle mitmachen", sagt er. „Sonst lohnt sich das Projekt nicht." Übersetzung: Wenn zu wenige unterschreiben, gibt's keine Solaranlage. Und wer will schon schuld sein, dass das Klimaschutzprojekt scheitert?

Dabei gibt es durchaus Alternativen. Wir könnten weiter unseren Ökostrom beziehen, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommt. Kostet uns aktuell 32 Cent pro Kilowattstunde. Nicht viel mehr als der Mieterstrom, aber ohne Bindung, ohne Risiko, ohne Ärger. Oder wir könnten uns an einer Bürger-Energiegenossenschaft beteiligen. Da investiert man in große Solar- oder Windparks und bekommt eine Rendite. Transparenter, flexibler, oft lukrativer.

Die steuerliche Seite haben wir auch noch nicht ganz verstanden. Mieterstrom ist von der EEG-Umlage befreit, das macht ihn günstiger. Aber was ist mit der Mehrwertsteuer? Der Stromsteuer? Den Netzentgelten für den Zusatzstrom? Alles Posten, die den Endpreis beeinflussen. Und was passiert, wenn sich die Gesetze ändern? Die Energiepolitik ist im Fluss, ständig gibt es neue Regelungen. Was heute gefördert wird, kann morgen schon wieder anders sein.

Ein Punkt, der oft untergeht: die Auswirkungen auf den Immobilienwert. Unser Vermieter argumentiert, die Solaranlage steigere den Wert des Hauses. Mag sein. Aber was ist mit den langfristigen Verpflichtungen? Die Anlage muss gewartet werden, nach 20 Jahren eventuell erneuert. Wer zahlt das? Die Mieter über höhere Nebenkosten? Das wurde bisher nicht thematisiert.

Wir haben auch mal geschaut, wie es in anderen Ländern läuft. In den Niederlanden ist Mieterstrom viel verbreiteter. Dort gibt es bessere Rahmenbedingungen, einfachere Regelungen, mehr Transparenz. In Österreich dagegen kämpft man mit ähnlichen Problemen wie hier. Zu kompliziert, zu wenig Anreize, zu viel Bürokratie.

Die Digitalisierung könnte vieles vereinfachen. Smart Meter, die den Verbrauch genau erfassen. Blockchain für transparente Abrechnungen. Künstliche Intelligenz, die Produktion und Verbrauch optimiert. Aber das ist Zukunftsmusik. Aktuell hakt es schon bei den Basics.

Nach all dem Hin und Her haben wir uns erstmal entschieden zu warten. Nicht grundsätzlich gegen Mieterstrom, aber gegen dieses konkrete Angebot. Zu viele Unklarheiten, zu wenig Transparenz, zu viel Risiko. Vielleicht wird es in ein, zwei Jahren bessere Modelle geben. Klarere Verträge, fairere Konditionen, mehr Erfahrungswerte.

Sabine und Markus haben übrigens unterschrieben. „Wir probieren es einfach aus", meinen sie. „Schlimmstenfalls kündigen wir nach zwei Jahren wieder." Mutig. Oder naiv. Wird sich zeigen. Wir drücken ihnen die Daumen und sind gespannt auf ihre Erfahrungen.

Was lernen wir daraus? Mieterstrom ist eine gute Idee mit schwieriger Umsetzung. Es braucht faire Verträge, transparente Abrechnungen und realistische Erwartungen. Nicht jeder Mieter profitiert gleichermaßen. Wer viel zu Hause ist und flexibel Strom verbrauchen kann, hat mehr davon als Berufstätige mit starrem Tagesablauf. Die Ersparnis von 10 bis 20 Prozent ist möglich, aber nicht garantiert. Versteckte Kosten können die Rechnung verhageln.

Unser Rat? Genau rechnen, Vertrag prüfen lassen, Erfahrungen anderer einholen. Nicht unter Druck setzen lassen. Mieterstrom kann sich lohnen, muss aber nicht. Es gibt Alternativen. Ökostrom aus dem Netz ist auch klimafreundlich. Energiegenossenschaften bieten Beteiligung ohne Bindung. Und manchmal ist das beste Investment einfach Strom zu sparen – LED-Lampen, effiziente Geräte, bewusster Verbrauch.

Die Energiewende wird nicht an einer Solaranlage auf unserem Dach scheitern. Aber sie wird auch nicht gelingen, wenn Modelle wie Mieterstrom zu kompliziert, zu intransparent, zu risikoreich sind. Es braucht Vertrauen, Fairness und echte Vorteile für alle Beteiligten. Davon sind wir noch ein Stück entfernt. Aber der Weg ist richtig. Und vielleicht sind wir beim nächsten Anlauf dabei. Wenn die Bedingungen stimmen.