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Versicherungen & Recht

Versicherung zahlt nicht? So lange darf sie wirklich trödeln (§ 14 VVG erklärt)

by Winterberg 2025. 11. 1.

Wie lange darf eine Versicherung die Bearbeitung verzögern?

Als im vergangenen Herbst unser Keller nach einem Starkregen unter Wasser stand, war ich zunächst geschockt. Überall schwammen Kartons, alte Möbel waren durchnässt, und der Boden war von einer zentimeterdicken Wasserschicht bedeckt. Nachdem die erste Panik verflogen war, atmete ich erleichtert auf: Wir haben ja eine Elementarschadenversicherung. Die wird das regeln. Ich meldete den Schaden noch am selben Tag online, fügte Fotos bei und beschrieb alles so detailliert wie möglich. Zwei Tage später kam eine automatische Bestätigung: „Ihr Schaden wurde unter der Nummer XY-12345 registriert. Wir bearbeiten Ihre Anfrage schnellstmöglich." Das klang vielversprechend. Doch dann passierte – nichts. Eine Woche verging, zwei Wochen, drei Wochen. Ich schrieb E-Mails, bekam Standardantworten. Nach fünf Wochen fragte ich mich: Wie lange dürfen die eigentlich brauchen? Gibt es da überhaupt eine Grenze? Und was kann ich tun, wenn die Versicherung einfach nicht reagiert?

Zuletzt aktualisiert: 01.11.2025

🔹 Worum es heute geht: Wir beleuchten die rechtlichen und praktischen Aspekte rund um Bearbeitungszeiten bei Versicherungsschäden – von gesetzlichen Fristen über Verzugsfolgen bis hin zu Strategien, um die Bearbeitung zu beschleunigen.

🔹 Was wir gelernt haben: Versicherungen sind gesetzlich verpflichtet, Schäden zügig zu prüfen und zu regulieren – aber die Praxis sieht oft anders aus, und Versicherte müssen aktiv nachhaken, um ihr Recht durchzusetzen.

🔹 Was Leser:innen davon haben: Konkrete Informationen zu ihren Rechten, Tipps für den Umgang mit verzögernden Versicherungen und Hinweise, wann und wie man rechtliche Schritte einleiten sollte.

In den ersten Tagen nach der Schadenmeldung war ich noch geduldig. Ich dachte mir: Die haben bestimmt viel zu tun, gerade nach dem Unwetter waren sicher viele Keller überflutet. Ich kann verstehen, dass es ein bisschen dauert. Aber als nach zwei Wochen immer noch keine konkrete Rückmeldung kam, wurde ich unruhig. Ich rief bei der Hotline an und landete in einer endlosen Warteschleife. Als ich endlich jemanden erreichte, sagte die Sachbearbeiterin, dass mein Fall in Bearbeitung sei und ich Geduld haben müsse. Auf meine Frage, wie lange es noch dauern würde, bekam ich keine konkrete Antwort – nur ein vages „Wir melden uns".

Später haben wir gemerkt, dass dieses Problem erschreckend häufig ist. Als ich im Freundeskreis davon erzählte, nickten viele verständnisvoll. Eine Bekannte berichtete, dass sie nach einem Autounfall monatelang auf die Regulierung warten musste. Ein Kollege erzählte von einem Rechtsstreit mit seiner Versicherung, weil diese sich einfach nicht gerührt hatte. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) werden jährlich Millionen von Schadensfällen bearbeitet – und in einem nicht unerheblichen Teil kommt es zu Verzögerungen, die für die Versicherten belastend sind. (Quelle: gdv.de, Statistiken zur Schadensregulierung, Stand: 2025)

Ganz ehrlich, am Anfang wussten wir das nicht: Es gibt tatsächlich gesetzliche Vorgaben zur Bearbeitungszeit. Nach § 14 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) ist der Versicherer verpflichtet, innerhalb eines Monats nach Eingang der Schadensmeldung zu erklären, ob und in welchem Umfang er die Leistung erbringt. Wenn er weitere Ermittlungen benötigt, muss er dies begründen und eine realistische Zeitangabe machen. Diese Regelung gilt seit 2008 und soll sicherstellen, dass Versicherte nicht endlos auf eine Entscheidung warten müssen. (Quelle: VVG § 14, Stand: 2025 – Details unter dejure.org)

Was uns zunächst frustrierte, war die Tatsache, dass die Versicherung diese Frist einfach ignorierte. Nach einem Monat hatte ich immer noch keine klare Aussage, ob der Schaden gedeckt ist oder nicht. Ich hatte zwar zwischendurch E-Mails bekommen, in denen stand, dass noch „weitere Unterlagen geprüft" würden, aber es gab keinen konkreten Zeitrahmen. Ich fühlte mich hilflos und verärgert. Der Keller war immer noch ein Chaos, ich konnte nichts wegwerfen, weil die Versicherung möglicherweise Beweise sehen wollte, und gleichzeitig bekam ich keine Auskunft darüber, wann es endlich weitergehen würde.

In den Wochen danach begann ich systematisch zu recherchieren, was meine Rechte sind. Ich fand heraus, dass die Einhaltung der Monatsfrist nicht nur eine Formalität ist, sondern dass ein Verstoß dagegen rechtliche Konsequenzen haben kann. Wenn die Versicherung die Frist überschreitet, ohne dies angemessen zu begründen, kann sie in Verzug geraten. Das bedeutet: Der Versicherte kann unter Umständen Verzugszinsen verlangen oder sogar Schadensersatz für die Verzögerung. In manchen Fällen haben Gerichte entschieden, dass Versicherer Schmerzensgeld zahlen mussten, weil die Verzögerung zu psychischen Belastungen geführt hatte. (Hinweis: Verzugsfolgen können je nach Einzelfall variieren – rechtliche Beratung empfohlen)

Was mir besonders geholfen hat, war die Lektüre von Verbraucherratgebern. Stiftung Warentest empfiehlt, bei Verzögerungen aktiv zu werden: Schriftlich eine Frist setzen, alle Kommunikation dokumentieren und notfalls rechtliche Schritte androhen. Das klingt konfrontativ, aber manchmal ist es nötig, um die Versicherung aus der Reserve zu locken. Ich schrieb also einen förmlichen Brief, in dem ich auf die gesetzliche Frist verwies und der Versicherung eine weitere Frist von zwei Wochen setzte, um sich zu äußern. Ich kündigte an, dass ich andernfalls rechtliche Schritte einleiten würde. (Quelle: test.de, Ratgeber Versicherungen, Stand: 2025)

In den Tagen nach dem Brief passierte etwas Erstaunliches: Die Versicherung meldete sich plötzlich. Eine Sachbearbeiterin rief mich an, entschuldigte sich für die Verzögerung und erklärte, dass mein Fall „versehentlich liegen geblieben" sei. Sie versprach, dass die Regulierung nun zügig erfolgen würde. Tatsächlich bekam ich innerhalb einer Woche eine schriftliche Zusage über die Deckung des Schadens und kurz darauf die Auszahlung. Das war erleichternd, aber auch frustrierend – denn es zeigte, dass die Verzögerung nicht auf komplexen Prüfungen beruhte, sondern schlicht auf mangelnder Organisation.

Was wir auch gelernt haben, ist die Bedeutung von Fristen und Dokumentation. Ich habe von Anfang an alle E-Mails, Briefe und Gesprächsnotizen archiviert. Ich notierte Datum, Uhrzeit und Inhalt jedes Telefonats. Diese Dokumentation war entscheidend, als ich der Versicherung nachweisen wollte, dass ich alle erforderlichen Unterlagen rechtzeitig eingereicht hatte und dass die Verzögerung ausschließlich auf ihrer Seite lag. Experten raten dazu, jede Kommunikation mit der Versicherung schriftlich zu führen oder zumindest schriftlich zu bestätigen. (Tipp: E-Mails immer mit Lesebestätigung versenden oder per Einschreiben verschicken)

Ein Punkt, der oft übersehen wird, betrifft die Unterscheidung zwischen einfachen und komplexen Fällen. Bei einfachen Schäden – etwa einem Glasbruch oder einem kleinen Autounfall – sollte die Bearbeitung schnell gehen, oft innerhalb weniger Tage. Bei komplexen Fällen – etwa bei Personenschäden, Streitigkeiten über die Schadensursache oder wenn Gutachten erforderlich sind – kann die Prüfung länger dauern. Dann ist die Monatsfrist des § 14 VVG oft nicht realistisch. Wichtig ist aber, dass die Versicherung dies transparent kommuniziert und regelmäßig über den Stand der Dinge informiert. (Hinweis: Die Komplexität des Falls rechtfertigt Verzögerungen, aber nicht Schweigen)

Parallel zu unserer persönlichen Erfahrung haben wir recherchiert, welche rechtlichen Möglichkeiten Versicherte haben. Wenn die Versicherung trotz Fristsetzung nicht reagiert, kann man sich an einen Ombudsmann wenden. Die meisten Versicherungssparten haben unabhängige Ombudsstellen, die bei Streitigkeiten zwischen Versicherern und Versicherten vermitteln. Das Verfahren ist kostenlos und oft effektiv. Alternativ kann man auch eine Beschwerde bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einreichen, wenn man den Verdacht hat, dass die Versicherung gegen Aufsichtsrecht verstößt. (Quelle: Ombudsmann für Versicherungen, Stand: 2025 – Kontakt über versicherungsombudsmann.de)

Was uns auch aufgefallen ist, ist die Rolle der europäischen Verbraucherschutzrichtlinien. Die Europäische Union hat in den letzten Jahren mehrfach betont, dass Verbraucher vor unlauteren Praktiken geschützt werden müssen. Das umfasst auch das Recht auf eine zügige Bearbeitung von Versicherungsansprüchen. Das Europäische Parlament hat in mehreren Resolutionen gefordert, dass die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass Versicherungen transparent und verbraucherfreundlich agieren. (Quelle: europarl.europa.eu, Resolutionen zum Verbraucherschutz, Stand: 2025)

Ein Aspekt, der uns besonders beschäftigt hat, war die Frage nach den Gründen für Verzögerungen. Manchmal sind sie tatsächlich nachvollziehbar: Die Versicherung wartet auf ein Gutachten, auf Stellungnahmen Dritter oder auf zusätzliche Unterlagen vom Versicherten. Aber oft sind die Gründe weniger plausibel: Überlastung der Sachbearbeiter, ineffiziente Prozesse, fehlende Prioritätensetzung oder sogar strategisches Hinauszögern, um Versicherte zu zermürben. Letzteres ist zwar illegal und kann zu Aufsichtsmaßnahmen führen, kommt aber in der Praxis durchaus vor. (Hinweis: Systematisches Verzögern kann als unlautere Geschäftspraxis gewertet werden – bei Verdacht BaFin informieren)

Langfristig haben wir uns auch mit der Frage beschäftigt, wie man Verzögerungen vorbeugen kann. Zunächst sollte man bei der Schadenmeldung so präzise und vollständig wie möglich sein. Je mehr Informationen und Belege man gleich mitliefert, desto weniger Rückfragen gibt es später. Fotos, Zeugenaussagen, Kostenvoranschläge – all das sollte man direkt beifügen. Außerdem hilft es, die Versicherung regelmäßig zu kontaktieren und nach dem Stand der Dinge zu fragen. Wer schweigt, wird oft vergessen. Wer nachfragt, zeigt, dass er die Sache ernst nimmt. (Tipp: Alle erforderlichen Unterlagen bei Schadenmeldung vollständig einreichen – spart Zeit und Ärger)

Ein Thema, das in der Diskussion oft auftaucht, betrifft die Frage nach Schadenersatz für Verzögerungsschäden. Wenn die Versicherung so lange braucht, dass dem Versicherten zusätzliche Kosten entstehen – etwa weil er in der Zwischenzeit eine Mietwohnung bezahlen muss oder weil der Schaden sich verschlimmert –, kann er unter Umständen Ersatz dieser Kosten verlangen. Allerdings ist der Nachweis oft schwierig. Man muss belegen, dass die Verzögerung schuldhaft war und dass die zusätzlichen Kosten ursächlich darauf zurückzuführen sind. Gerichte sind hier oft zurückhaltend, aber es gibt durchaus erfolgreiche Klagen. (Hinweis: Schadenersatzansprüche wegen Verzögerung sind einzelfallabhängig – rechtliche Beratung empfohlen)

Was uns persönlich sehr geholfen hat, war der Austausch mit anderen Betroffenen. In einem Online-Forum für Versicherungsfragen fand ich viele Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Manche berichteten von erfolgreichen Ombudsverfahren, andere von langwierigen Rechtsstreitigkeiten. Ein User schrieb, dass er nach einem Wohnungsbrand monatelang auf die Regulierung warten musste und erst nach Einschaltung eines Anwalts Erfolg hatte. Diese Geschichten haben mir Mut gemacht und mir gezeigt, dass ich nicht allein mit dem Problem bin.

Ein praktischer Tipp, den wir weitergeben möchten: Nutzt das Telefon. E-Mails sind bequem und dokumentierbar, aber oft auch leicht zu ignorieren. Ein Anruf hat eine andere Wirkung – man spricht mit einem echten Menschen, kann Fragen stellen, Druck aufbauen (natürlich freundlich, aber bestimmt) und bekommt oft schneller eine Antwort. In meinem Fall hat der entscheidende Anruf mehr bewirkt als zehn E-Mails. Ich habe höflich, aber sehr klar gemacht, dass ich mit der Situation unzufrieden bin und eine schnelle Lösung erwarte. Das hat funktioniert. (Tipp: Bei wichtigen Anrufen Notizen machen – Datum, Uhrzeit, Ansprechpartner, Gesprächsinhalt)

Was uns auch bewusst wurde, ist die Bedeutung von Fristen im Versicherungsvertrag. Viele Versicherungsbedingungen enthalten Klauseln zu Bearbeitungszeiten oder zu den Pflichten des Versicherers. Es lohnt sich, diese Klauseln genau zu lesen und sich darauf zu berufen, wenn die Versicherung trödelt. Manche Verträge enthalten sogar Vertragsstrafen oder Bonuszahlungen, wenn die Regulierung besonders schnell erfolgt. Das ist zwar selten, aber es zeigt, dass das Thema auch für die Versicherungen selbst relevant ist. (Hinweis: Versicherungsbedingungen können je nach Anbieter stark variieren – Vertrag genau prüfen)

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Frage nach der Verjährung. Grundsätzlich verjähren Ansprüche aus Versicherungsverträgen nach drei Jahren (§ 195 BGB). Die Frist beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Versicherte davon Kenntnis erlangt hat. Das bedeutet: Wenn man zu lange wartet, kann man seinen Anspruch verlieren. Allerdings wird die Verjährung gehemmt, solange Verhandlungen laufen. Trotzdem sollte man nicht jahrelang untätig bleiben, sondern aktiv auf eine Klärung hinarbeiten. (Quelle: BGB § 195, Stand: 2025 – Details zur Verjährung unter dejure.org)

Langfristig haben wir uns auch mit der Frage beschäftigt, ob es sinnvoll wäre, die Versicherung zu wechseln. Nach dieser Erfahrung war mein Vertrauen in die bisherige Versicherung erschüttert. Ich überlegte, ob ich nicht zu einem Anbieter wechseln sollte, der für schnelle und unkomplizierte Schadensregulierung bekannt ist. Stiftung Warentest veröffentlicht regelmäßig Tests und Ranglisten von Versicherungen, auch im Hinblick auf Service und Kundenzufriedenheit. Es kann sich lohnen, diese Informationen bei der nächsten Vertragsverlängerung zu berücksichtigen. (Quelle: test.de, Versicherungsvergleiche, Stand: 2025)

Was uns emotional am meisten mitgenommen hat, war das Gefühl der Ohnmacht. Man zahlt jahrelang Beiträge, und wenn man dann einmal Hilfe braucht, lässt einen die Versicherung im Stich. Das ist frustrierend und macht wütend. Aber es hat mir auch gezeigt, wie wichtig es ist, seine Rechte zu kennen und bereit zu sein, für sie einzustehen. Wer sich nicht wehrt, wird oft übergangen. Wer nachhakt, Fristen setzt und notfalls rechtliche Schritte einleitet, hat deutlich bessere Chancen auf eine zügige Regulierung.

Ein Thema, das in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit bekommt, betrifft die Digitalisierung der Schadensmeldung. Viele Versicherungen bieten mittlerweile Apps oder Online-Portale an, über die man Schäden melden und den Bearbeitungsstatus verfolgen kann. Das kann die Kommunikation erleichtern und Verzögerungen reduzieren. Allerdings gibt es auch hier Tücken: Nicht alle Systeme sind zuverlässig, manche sind kompliziert zu bedienen, und oft ist es schwer, einen echten Ansprechpartner zu erreichen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt, bei der Nutzung solcher Portale auf Datensicherheit zu achten. (Quelle: bsi.bund.de, Ratgeber zu digitalen Versicherungsservices, Stand: 2025)

Was wir langfristig aus dieser Erfahrung mitgenommen haben, ist eine neue Wachsamkeit. Ich schaue jetzt genauer hin, wenn ich Versicherungsverträge abschließe. Ich lese das Kleingedruckte, frage nach Bearbeitungszeiten und informiere mich über die Erfahrungen anderer Kunden. Und ich weiß jetzt, dass ich im Schadensfall nicht einfach abwarten sollte, sondern aktiv nachfragen und notfalls Druck machen muss. Das ist nicht angenehm, aber es ist leider oft nötig.

Abschließend lässt sich sagen: Versicherungen sind gesetzlich verpflichtet, Schäden zügig zu bearbeiten – aber in der Praxis halten sich nicht alle daran. Wer lange auf eine Regulierung warten muss, sollte seine Rechte kennen, Fristen setzen und notfalls rechtliche Schritte einleiten. Ombudsstellen, BaFin und Anwälte sind mögliche Anlaufstellen. Gleichzeitig sollte man dokumentieren, nachhaken und nicht aufgeben. Für uns war die Erfahrung lehrreich – und wir sind froh, dass es am Ende doch noch geklappt hat. Aber wir werden in Zukunft definitiv aufmerksamer sein.


Übersicht: Typische Bearbeitungszeiten bei Versicherungsschäden

Schadensart Übliche Bearbeitungszeit Gesetzliche Frist Hinweis
Einfacher Glasbruch 1–2 Wochen 1 Monat (§ 14 VVG) Schnelle Fälle sollten zügig gehen¹
Kfz-Kaskoschaden (eindeutig) 2–4 Wochen 1 Monat (§ 14 VVG) Gutachten kann Zeit kosten¹
Wasserschaden (ohne Streit) 3–6 Wochen 1 Monat (§ 14 VVG) Komplexität verlängert Prüfung¹
Personenschaden (mit Gutachten) 2–6 Monate 1 Monat für erste Stellungnahme Weitere Ermittlungen müssen begründet werden¹
Rechtsschutz (mit Deckungszusage) 2–4 Wochen 1 Monat (§ 14 VVG) Ablehnung muss begründet sein¹

¹ Angaben können je nach Versicherer, Fall und erforderlichen Ermittlungen stark variieren.


Verzögerte Bearbeitung – 6 Steps zum Handeln

Falls die Versicherung ungewöhnlich lange braucht, hilft diese Checkliste:

  1. Dokumentation prüfen – Alle eingereichten Unterlagen und Kommunikation überprüfen – ist alles vollständig?
  2. Frist des § 14 VVG beachten – Nach 1 Monat muss Versicherung sich äußern – ist das passiert?
  3. Schriftlich Frist setzen – Brief mit Verweis auf gesetzliche Pflicht, neue Frist (z. B. 2 Wochen) setzen
  4. Ombudsmann einschalten – Kostenloses Schlichtungsverfahren über versicherungsombudsmann.de
  5. BaFin informieren – Bei Verdacht auf systematisches Verzögern Beschwerde bei bafin.de einreichen
  6. Rechtliche Beratung einholen – Fachanwalt für Versicherungsrecht oder Verbraucherzentrale kontaktieren

(Hinweis: Diese Schritte ersetzen keine rechtliche Beratung – im Zweifel professionelle Hilfe suchen.)


Musterbrief – Fristsetzung bei verzögerter Bearbeitung

Falls die Versicherung zu lange braucht, kann folgendes Musterschreiben helfen:

Betreff: Fristsetzung zur Schadensregulierung – Schadennummer [Nummer]

Sehr geehrte Damen und Herren,

am [Datum] habe ich einen Schaden unter der Nummer [Schadennummer] gemeldet. Trotz vollständiger Unterlagen habe ich bis heute (über [X] Wochen später) keine abschließende Stellungnahme erhalten.

Gemäß § 14 VVG sind Sie verpflichtet, innerhalb eines Monats nach Eingang der Schadensmeldung zu erklären, ob und in welchem Umfang Sie die Leistung erbringen. Diese Frist ist überschritten.

Ich setze Ihnen hiermit eine letzte Frist bis zum [Datum, z. B. 14 Tage später], um mir mitzuteilen, ob Sie den Schaden regulieren und in welcher Höhe. Sollte bis dahin keine Antwort erfolgen, werde ich rechtliche Schritte einleiten und den Ombudsmann einschalten.

Mit freundlichen Grüßen,
[Ihr Name]

(Muster ohne Gewähr – kann an den Einzelfall angepasst werden. Bei Unsicherheiten rechtliche Beratung einholen.)


FAQ – Die häufigsten Fragen zu Bearbeitungszeiten bei Versicherungen

Viele Leser:innen haben uns nach ähnlichen Erfahrungen kontaktiert und spezifische Fragen gestellt. Hier die drei wichtigsten mit unseren Antworten:

Wie lange darf eine Versicherung maximal brauchen, um einen Schaden zu bearbeiten?
Nach § 14 VVG muss die Versicherung innerhalb eines Monats nach Eingang der Schadensmeldung erklären, ob und in welchem Umfang sie leistet. Wenn weitere Ermittlungen nötig sind, muss sie dies begründen und regelmäßig über den Stand informieren. Eine pauschale Maximalfrist gibt es nicht, aber mehrmonatige Verzögerungen ohne Begründung sind rechtswidrig. (Quelle: VVG § 14, Stand: 2025 – Details unter dejure.org)

Was kann ich tun, wenn die Versicherung einfach nicht reagiert?
Zunächst solltest du schriftlich eine Frist setzen und auf die gesetzliche Pflicht zur zügigen Bearbeitung hinweisen. Wenn das nicht hilft, kannst du dich an den Ombudsmann für Versicherungen wenden (kostenlos und unabhängig) oder eine Beschwerde bei der BaFin einreichen. Als letztes Mittel bleibt der Gang zum Anwalt und eine Klage. (Hinweis: Ombudsverfahren sind oft schneller und günstiger als Gerichtsverfahren)

Kann ich Schadensersatz verlangen, wenn die Bearbeitung zu lange dauert?
Unter Umständen ja. Wenn die Verzögerung schuldhaft war und dir dadurch zusätzliche Kosten entstanden sind (z. B. Mietkosten, Verschlimmerung des Schadens), kannst du Ersatz verlangen. Der Nachweis ist aber oft schwierig. In manchen Fällen haben Gerichte auch Schmerzensgeld zugesprochen, wenn die Verzögerung zu psychischen Belastungen geführt hat. (Hinweis: Schadenersatzansprüche sind einzelfallabhängig – rechtliche Beratung empfohlen)


Schlusswort: Versicherungen sollen im Schadensfall helfen und Sicherheit geben – aber wenn sie die Bearbeitung verschleppen, verkehrt sich das ins Gegenteil. Wer wochenlang auf eine Antwort wartet, fühlt sich hilflos und ausgeliefert. Doch es gibt rechtliche Mittel und praktische Strategien, um die Bearbeitung zu beschleunigen. Wichtig ist, die eigenen Rechte zu kennen, aktiv nachzuhaken und notfalls auch mal unbequem zu werden. Geduld ist eine Tugend, aber Schweigen bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Wer dokumentiert, Fristen setzt und im Zweifel Hilfe sucht, hat deutlich bessere Chancen auf eine faire und zügige Regulierung. Unsere Erfahrung hat uns gelehrt: Manchmal muss man für sein Recht kämpfen – aber es lohnt sich.

 

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